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Vegane Ernährung und lästige Mythen!

18. Mai 2016

Vegane Ernährung

Du lebst vegan? Ach du scheiße, was isst du denn dann? OMG, dann bist du bestimmt oft krank! Ist doch alles viel zu teuer! Mein Gott, wie kommst du mit deinen Mangelerscheinungen zurecht? Tja, es gibt unheimlich viele Mythen rund um das Thema vegane Ernährung. Ein paar habe ich mal zusammengefasst und durch Recherchen beantwortet. Im Großen und Ganzen kommt dabei heraus: uns Veganern geht es echt gut!

1.Veganer haben kaum Auswahl beim Essen.

Diesen Mythos höre ich immer wieder und oft in Form einer Frage: Was kannst du denn überhaupt noch essen? Nun ja, ich hole kurz aus und muss zugeben, dass ich als erstes meine Scheuklappen absetzen und lernen musste, über den anerzogenen Tellerrand hinauszuschauen. Dazu befasste ich mich mit dem Thema Ernährung sehr ausgiebig und stöberte nach Rezepten aus aller Welt. Wie viele rein pflanzliche Gerichte es gibt, ist kaum vorstellbar. Zudem ist die vegane Küche sehr facettenreich, voller Fantasie, multikulturell und ehrlich gesagt, ich esse nun abwechslungsreicher denn je. Für jedes tierische Produkt, welches ich gestrichen habe, gibt es genügend pflanzliche Ersatzprodukte.

2. Vegane Ernährung ist kaum bezahlbar.

Im Grunde ist diese Aussage wirklich Schwachsinn! Die Grundnahrungsmittel wie Haferflocken, Hülsenfrüchte, Reis, Pasta, Obst und Gemüse der Saison, sind so gar besonders günstig und ich persönlich gebe mittlerweile weniger für den Wocheneinkauf aus, als zu meiner Fleischesser Zeit.

Allerdings gebe ich zu, dass sich Veganismus zu einem Trend entwickelt hat, der bei Lebensmittelherstellern, meiner Meinung nach, ein wenig ausgenutzt wird um Profit zu machen. Schlendert man durch die Regale des Supermarktes und sieht vegane Kraft-Shakes, vegane Fertiggerichte, oder Superfood aus den entlegensten Teilen der Welt, kann einem bei den Preisen schon ein wenig mulmig werden. So wird Veganismus als Luxus-Lifestyle dargestellt, was auf den einen oder anderen abschreckend wirkt. Man sollte jedoch bedenken, dass man diese Produkte in der Regel nicht benötigt und somit preis intensive Lebensmittel eher die Ausnahme sind.

Abgesehen davon, kann man Pasten etc. auch sehr gut und bedeutend günstiger selber machen. Gilt auch für Shampoo, Waschmittel and so on.

Aber klar, wer Gourmetküche wünscht, zahlt auch Gourmet Preise, vegan oder nicht vegan, spielt dabei keine Rolle.

3. Veganer leiden unter Eiweißmangel, dabei ist Eiweiß wichtig für Kraft und Muskeln!

Dieser Mythos ist sehr verbreitet und totaler Schwachsinn, denn fast alle Lebensmittel enthalten Eiweiße. Viele pflanzliche Eiweißquellen, decken den täglichen Bedarf eines Menschen perfekt ab.

Hierzu gehören nur als Beispiel:

  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte Beispiel: 100 Gramm Rote Linsen (getrocknet) enthalten etwa 26 Gramm Protein und  100 Gramm Rumpsteak vom Rind ca. 28 Gramm.
  • Brokkoli
  • Tofu
  • Quinoa

Außerdem wird der tatsächliche Proteinbedarf eines Menschen meist etwas hoch angsetzt. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene mit einem Körpergewicht von 70 kg 56 Gramm Eiweiß.

4. Veganer sind sehr häufig krank!

Wie man darauf kommen kann, ist mir ein Rätsel! Tatsächlich ist es so, dass pflanzliche Lebensmittel durch die enthaltenen Vitamine, die Abwehrkräfte massiv unterstützen. Ebenso bleiben Veganer von den schädlichen Stoffen im Fleisch, der Milch und Eiern verschont, die immer wieder in den unzähligen und ständig bekanntwerdenden Skandalen für Streitpunkte sorgen. Dioxin, Antibiotika oder Krankheitserreger, die aufgrund der Zustände in den Mastbetrieben ins Fleisch und in die Milch gelangen, stellen für Veganer keine Gefahr dar.

5. Vitamin B12 muss ergänzend eingenommen werden und das ist unnatürlich.

Erst einmal lässt sich dazu schreiben, dass auch sehr viele Fleischesser an Vitamin B12 Mangel leiden.

In der Tat ist es schwierig an B12 Quellen heranzukommen. In Asien zum Beispiel werden viele Algen verzehrt um den Bedarf zu decken. In unserer Region natürlich etwas schwierig. Wer sein Gemüse im eigenen Garten anbaut, kann aber auf das abwaschen verzichten und so B12 über die Mikroorganismen aufnehmen. Alle anderen Menschen sollten vielleicht schon über ein Nahrungsergänzungsmittel nachdenken. Allerdings sind die Billigpräparate aus Discountern meist nicht zu empfehlen.

6. Vegane Ernährung schadet den Knochen!

Immer wieder wurde und wird uns eingetrichtert, dass Kuhmilch gut und ebenso wichtig für unsere Knochen sei. Kalzium ist zwar mit Sicherheit wichtig, muss aber nicht über tierische Produkte in unseren Körper gelangen. Bei Kuhmilch ist es so gar so, dass deuch die schwefelhaltigen Aminosäuren die Mineralstoffabgabe über Urin gefördert wird. Somit relativiert sich der hohe Kalziumgehalt von Milchprodukten wieder.

Durch die intensive Milchproduktion wird den Kühen selbst übrigens unheimlich viel Kalzium entzogen. Sie brauchen dies aber ebenso wie wir.

Viele pflanzliche Lebensmittel enthalten außerdem auch sehr viel Kalzium. Rucola zum Beispiel enthält auf 100 Gramm, 150 mg Kalzium. 100 Gramm Magerquark hingegen nur 92 mg.

Interessant ist auch, dass in Ländern, in denen am meisten Milch konsumiert wird, auch die höchsten Raten für Osteoporose herrschen.

7. Wenn alle Menschen vegan leben würden, gäbe es nicht genug Platz, um die pflanzliche Nahrung anzubauen.
Würde man all das kultivierbare Land auf der Erde gleichmäßig und gerecht aufteilen, käme jeder Mensch auf 2.700m²: Ein durchschnittlicher Fleischesser benötigt 13.000 m²  – ein Veganer nur 700m².

 Mit anderthalb Feldern Sojabohnen kann man ca. 5000 Menschen ernähren, sofern diese direkt als Nahrungsquelle genutzt werden. Geht die Ernte erst an die Masttiere, kann man mit diesem Ertrag nur noch ca. 190 Menschen ernähren.

8. Veganer essen den Tieren das Essen weg!

Nein, das machen wir nicht, denn wir essen nicht unbedingt Gräser, welche zum Beispiel die eigentliche Nahrung von Rindern sind. Problem ist, das schlechte Kraftfutter der Tiere besteht häufig aus Nahrungsmitteln, die auch wir Menschen verzehren, die die Tiere aber normalerweise gar nicht brauchen. Sollten Tiere unter Nahrungsmittelknappheit leiden, dass liegt das daran, dass zu viele Tiere für den Verzehr gezüchtet werden. 1 Kilo Fleisch benötigt 16 Kilo Getreide! Hinzu kommt noch: isst man nur einmal pro Woche 200 Gramm Rindfleisch, wird dafür pro Jahr 160.316 Liter Wasser verbraucht und 138.434 kg CO2 ausgestoßen.

Was wäre also das beste Resultat?

9. Veganer sind Nazis, weil Hitler Vegetarier war!

 

Öhm ja, diese Aussage kommt wohl nur von Leuten, die nicht in der Lage sind sachlich zu bleiben. Kann man noch mehr dazu schreiben? ich glaube nicht!

10. Vegane Ernährung ist zu extrem!

Sagen wir es doch einmal so: alles was nicht der Norm entspricht, wird als Extrem deklariert. Wenn vegane Ernährung Normalität, Standard wäre, dann wäre wiederum Fleisch essen extrem! Kann es eigentlich wirklich extrem angesehen werden, wenn man Tiere nicht töten möchte!?!

11. Veganer sind auch keine besseren Umweltschützer.

Von besser sollte man auch nicht reden. Allerdings schützen Veganer ob bewusst oder unbewusst schon unsere Umwelt, denn Fakt ist, dass durch landwirtschaftliche Tierhaltung 18% mehr Emissionen verursacht werden, als durch den globalen Verkehr. Sie trägt einen Anteil von 37% der globalen Methan Emissionen, 9% des Treibhausgases CO2 und 65% von Distickstoffmonoxid – einem Gas das ein 300-fach größeres Potential zur globalen Erwärmung hat, als CO2.

Weitere unbestreitbare Fakten sind, dass 90% der Weltsojaernte und über 50% der Getreide und Maisernte für die Fütterung der Tiere in der Landwirtschaft drauf gehen. Diese Tiere brauchen Raum und dafür wird jede Minute eine Fläche von ca. 35 Fußballfeldern planiert. 20% des Regenwaldes sind bereits niedergebrannt oder gerodet worden, um Weideflächen zu schaffen. Ein Drittel aller fossilen Energien werden verwendet um Nutztiere zu züchten. 70% aller Trinkwasserressourcen gehen in die Landwirtschaft. Eine omnivore Ernährungsweise erfordert ungefähr 15.000 Liter täglich, eine vegetarische 4.500 Liter und eine vegane ca. 1.100 Liter. In den USA produzieren Nutztiere 130 Mal mehr Exkremente als die menschlichen Einwohner. Pestizide, Dünger und andere in der Landwirtschaft und Nutztierindustrie eingesetzte Mittel verschmutzen Grundwasser, Böden und die Luft.

warum vegan?

 

 

 

 

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10 Comments

  • Reply Jenni 26. Mai 2016 at 11:18

    Liebe Rebecca!

    Ein toller und wichtiger Beitrag – danke dafür! 🙂
    Ich kann dir eigentlich in allen Punkten nur zustimmen und gehe vollkommen mit dir mit.

    Zum Vitamin B12 wäre vielleicht noch anzuführen (um die Gegenargumente noch ein bisschen mehr zu entkräften), dass auch Omnivoren nur damit versorgt werden, weil den Tieren das künstlich ins Futter gemischt wird. Die Argumentation mit der „Natürlichkeit“ der tierproduktbehafteten Ernährung zieht hier also nicht. Früher konnten Tiere B12 noch selbst produzieren, diese Fähigkeit ist mittlerweile verloren gegangen. Daher ist die Frage zu stellen, welche Supplementierung sinnvoller ist: Die komplizierte und über den Umweg des (leidenden) Tieres oder die direkte Zufuhr durch Tabletten oder Spritzen?

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply beccs@ruhrstyle 26. Mai 2016 at 16:04

      Vielen Dank für deine sehr wichtige Ergänzung. Ich wollte dies auch eigentlich mit einbringen, aber erst letztens hat mir jemand gesagt: „besser künstliches B12 durch ein leckeres Steak, als durch ne ekelhafte Tablette.“ Das hat mich ein wenig geärgert und um solche Sprüche nicht unter diesem Beitrag zu haben, habe ich es nicht angeführt. Eigentlich falsch von mir, da es ja eine wichtige Tatsache ist.

      liebste Grüße
      Rebecca

  • Reply beccs@ruhrstyle 21. Mai 2016 at 9:30

    Liebe Susanna,

    die Aussage 9 benutzen häufig Menschen, die in keinster Weise in der Lage sind, sachliche Diskussionen zu führen.
    Bislang habe ich auf eine zusätzliche B12 Zufuhr verzichtet. Wir haben einen Garten, in welchem wir ein bisschen Gemüse angebaut haben, welches ich ungewaschen zubereiten kann. Ansonsten kaufen wir öfters Gemüse bei einem Bio-Bauern in der Region Dorsten. Ich sag mal so, bis jetzt und bis so ein Hype um Vitame durch Nahrungsergänzungsmittel gemacht wurde, bin ich ohne doch auch ganz gut gefahren. Meine Eltern auch und meine Großeltern auch. Meine Meinung ist, dass wir uns mal wieder mehr auf unseren Körper verlassen sollten, denn normalerweise teilt dieser uns sehr gut mit, wenn etwas nicht stimmt. Letztlich ist es aber sicher eine Ansichtssache. 🙂

  • Reply Susanna 20. Mai 2016 at 18:47

    Bei dem 9. Punkt musste ich erst mal schlucken. Wer kommt denn auf so eine bescheuerte Aussage?

    Darf ich fragen wie du das mit dem b12 regelst? 🙂

    Und.. du hast recht, eine vegane Ernährungsweise gibt sehr viel Raum für neue Ideen. Vor allem wenn man noch weitest gehend versucht industriellen Zucker zu meiden 🙂

    Liebe Grüße,
    Susanna
    _________________________________________________
    http://www.susannavonundzustil.de

  • Reply dorette 20. Mai 2016 at 13:34

    meine lieblingsantwort, was man denn als vegetarier/veganer noch so isst, bleibt das ironische: moos und steine. 😉
    ich finde es immer wieder komisch, wie beschränkt manche menschen doch in ihrer essensauswahl sind, dass sie gar nicht wissen, was man außer fleisch und co noch essen/kochen kann.

    vg und ein schönes wochenende
    doro

    • Reply beccs@ruhrstyle 21. Mai 2016 at 9:14

      Hallo liebe Doro,

      manchmal habe ich das Gefühl, den Menschen fehlt es im Allgemeinen an Fantasie. Außerdem haben manche einfach keine Lust, sich mit Neuartigem auseinander zu setzen. Leider!

      liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Steffi 19. Mai 2016 at 8:20

    Punkt 8: garantiert nicht. Wir essen bestimmt kein genmanipuliertes Mastfutter.. 😉
    Grüßle, Steffi / redseconals.com

    • Reply beccs@ruhrstyle 21. Mai 2016 at 9:12

      Hahaha! Wollen wir es mal hoffen 😉

  • Reply liebe was ist 18. Mai 2016 at 20:55

    ein sehr gelunger Beitrag liebe Rebecca!
    das kann ich bei allen Punkten nur zustimmen …
    mittlerweile bezeichne ich mich nicht mehr als vegan, sondern planbased, dass wirft direkt weniger Fragen auf, weil die Umwelt direkt das gefühlt hat, es sei weniger „schlimm“. aber was bitte ist am Veganismus schlimm, wenn es so viele Vorteile mit sich bringt. die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie genauso gut vegan leben könnten, ohne irgendeinen Verzicht, weil sie ahnungslos sind und den Versuch einfach scheuen!

    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/
    https://www.instagram.com/liebewasist/

    • Reply beccs@ruhrstyle 21. Mai 2016 at 8:24

      Oh liebe Tina, die Frage, was an Veganismus schlimm ist, bzw. warum dieses Thema andere so oft auf die Palme bringt, frage ich mich auch immer wieder. Allerdings lässt sie sich in ca 80% der Fälle, sehr leicht beantworten. Fleischesser fühlen sich zum Beispiel von Veganern kritisiert, weil man ihnen indirekt (zumindest haben sie das Gefühl) vor Augen führt, dass sie etwas besser machen könnten. Auch wenn man dies gar nicht vor hat, fühlen sich Fleischesser neben Vegetariern/Veganern oft automatisch zu schlechteren Menschen degradiert. Mittlerweile gibt es dazu wohl auch etliche Studien. Veganer müssen nicht hausieren gehen um bei vielen auf Ablehnung zu stoßen, lediglich die Tatsache, dass der moralische Anspruch über den der Mehrheit hinausgeht, führt zur Ablehnung.

      Ein weiterer Grund warum die vegane Lebensweise sehr häufig kritisiert wird, liegt daran, dass die Fleischindustrie Boomt. Dazu hier ein interessanter Link!

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