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ToDo-Listen: Leben am Haken

2. März 2016

ToDo-Listen

Bis vor nicht allzu langer Zeit war ich naja, nicht gerade ein Fan, aber eine Unterstützerin von ToDo-Listen. Ich dachte ich brauche diese Anleitung um mein chaotisches Leben zu organisieren. Chaotisch in dem Sinne, dass ich oft so viele Ideen und Gedanken in mir habe, dass es durchaus möglich ist, ein bisschen durcheinander zu kommen bzw. das ich den Überblick darüber verliere, was „angeblich“ Vorrang hat.Unerledigte Dinge flattern dann wie Schmetterlinge durch den Kopf und selbstverständlich kann das Aufschreiben und abhaken helfen, den Kopf wieder frei zu bekommen; doch habe ich ebenso festgestellt, dass diese täglichen ToDo-Listen auch eine Gefahr darstellen. Sie dominieren den Alltag und wenn man nicht aufpasst, wird das Leben selbst zu einer ToDo-Liste.

Denn um was geht es denn genau bei diesen Listen? Letztlich doch darum, dass wir Dinge abarbeiten. Es kann passieren, dass wir so fixiert darauf sind unsere Häkchen zu machen, dass wir spontane Ereignisse nicht wahrnehmen und diese so gar als Störenfriede in unserem Planungssystem empfinden. Mir erging es so. Die Liste setzte mich unter Druck und ich glaube sie war auch Schuld daran, dass mir Pickel am Kinn wuchsen. Mein erwählter Sündenbock ist die heutige Leistungsgesellschaft, die immer erwartet, dass man optimal funktioniert. Was von uns so alles erwartet wird, ob auf der Arbeit oder privat ist wahrscheinlich ohne Liste auch gar nicht zu merken. Die Kreuzchen geben uns diesbezüglich ein Gefühl von Sicherheit oder viel mehr eine gewisse Kontrolle. Juhu, wir haben wieder alles geschafft für heute!

Aber ist das wirklich der Sinn des Lebens? Alles unter Kontrolle zu haben?

Folgendes Szenario: Wir haben am Vorabend fleißig unsere Liste geschrieben und verdammt steht da wieder viel drauf. Am besten machen wir uns noch ein Zeitfenster für jede zu erledigende Aufgabe, denn schließlich hat der Tag auch nur 24 Stunden. Auf meiner Liste steht, dass ich einer Freundin noch ihren Pulli zurückbringen muss. Ok, mache ich um 15 Uhr. In ihrer Wohnung riecht es nach Kaffee und frisch gebackenem Kuchen. Sie hat einiges zu erzählen und lädt mich ein zu bleiben. Oh dieser Kuchenduft…aber scheiße nein! Ich muss diszipliniert bleiben und brav um 16 uhr meinen Einkauf für das Abendessen erledigen. Ich habe keine Zeit. Ich muss gehen. Es tut mir leid. Es tut mir wirklich leid, denn ich hatte große Lust bei Kaffee und Kuchen mit meiner Freundin zu plaudern, die ich sowieso viel zu selten sehe. Das hätte ich auch tun sollen, denn am Abend rief sie mich an um mir etwas sehr trauriges mitzuteilen. Durchs Telefon konnte ich sie aber leider nicht in den Arm nehmen.

Dieser Tag ist mitunter ein Beispiel dafür, dass ich gemerkt habe, dass ich im Grunde gar nichts unter Kontrolle habe, sondern das die Liste mich kontrolliert. Ich war ein Hakenopfer und ich passte wunderbar in diese Gesellschaft, die sich mit erbrachter Leistung belohnt. Jede Menge Dopamin für jede Menge Haken.

Heute bin ich clean und viel entspannter. Wichtige Dinge vergesse ich nicht und manches schreibe ich auch immer noch auf. Zum Beispiel Termine, die noch in weiterer Ferne liegen. Meine Freizeit hingegen gestalte ich frei mit Ereignissen die mir wichtig sind und die Freude bereiten. Diese will ich nicht auf einer Liste stehen haben um hinterher einen Haken zu setzten, so als wäre dieser das beste daran. Schöne Dinge, wie unsere Hobbies oder Treffen mit Freunden gehören nicht abgearbeitet. Diese Momente sind keine Dinge die erledigt werden müssen!

Ich habe mittlerweile gelernt im hier und jetzt zu leben. Das Leben ist sowieso unberechenbar und eigentlich ist genau das auch das spannende daran. Wir müssen nicht ständig überlegen, was wir als nächstes tun müssen. Vielmehr sollten wir darauf achten unser Leben zu leben bevor wir es versehentlich an den Haken hängen.

love what you do

 

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3 Comments

  • Reply Kea 4. März 2016 at 9:55

    Meine Liebe, ich bin ganz bei dir – mich stressen die Listen auch mehr, als dass sie mir gut tun, vor allem, weil ich eigentlich nie alle Dinge abhaken kann, weil immer so viele neue dazukommen. Letztes Wochenende habe ich mal einfach so in den Tag hineingelebt, ohne To-Do, einfach geschaut, was so an Impulsen in mir hochkommt. Und wenn grade keiner kam, dann hab ich auch einfach mal gepflegt nix gemacht. Das war wie ein Kurzurlaub! Wochenenden sind bei mir jetzt to-do-freie-Zone! 🙂 Liebe Grüße und einen dicken Drücker!

    • Reply beccs@ruhrstyle 7. März 2016 at 22:07

      Liebe Kea,

      ich bin fest davon überzeugt, dass dieses „Nichts tun“ hin und wieder unablässig ist für solch Querdenker wie uns. 🙂 Aus Tagen die diese Möglichkeit bieten lässt sich so viel Kraft schöpfen, die auch dringend notwendig ist, wenn man sonst so voller Tatendrang ist.

      fühl dich ebenfalls gedrückt
      Rebecca

  • Reply liebe was ist 3. März 2016 at 9:51

    liebe Rebecca,
    ich übe mich auch sarin im Hier und Jetzt zu leben, jeden Tag, jede kostbare Minute aufzusaugen und wertzuschätzen. aber ich muss auch zugeben, dass ich ein Fan von To-do-Listen bin … ein bisschen Ordnung in alles bringen. und es ist einfach so toll, etwas geschafft zu haben und einen Haken an diesen Punkt auf der Liste setzen zu können 🙂 auch das gehört für mich zum Hier und Jetzt genießen dazu 🙂

    <3 Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

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