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Tennissocken in Sandalen und Fremdschämen inclusive

10. Juli 2016

sonnenuntergang

Mallorca: Günther steht mit seinem Teller am Büfett und es ist echt erstaunlich, wie er es schafft, immer noch eine Kleinigkeit auf den schon längst vollgepackten Teller zu legen. Klar, zwischendurch fällt mal eine Mini-Frikadelle oder ne Nudel runter, aber macht ja nichts, Büffet ist umsonst und so wird einfach nachgeladen. Hinter ihm seine Frau Berta, die fast dieselbe Menge auf dem Teller hat, aber lautstark über Günni, so nennt sie ihn liebevoll, meckert, weil er wieder mal so gierig ist. Ich beobachte die beiden ein bisschen und muss kurz lachen, weil sie das Klischee der deutschen auf Malle so wunderbar erfüllen. Kein Scheiß, Günni trägt hochgezogene weiße Tennissocken in Sandalen, dazu eine Cargo Shorts und obenrum nur ein weißes Unterhemd, welches seinen Gourmethügel bestens betont. Bertas Füße stecken in Neon-pinken Flip Flops, die kaum noch Sohle haben, der lila Nagellack an ihren Zehen ist abgesplittert und ihr pinkes Ballermann Shirt gibt mir den Rest. Es stimmt also, auf Malle gibt es noch die typischen Touris und nein, Günni und Berta fallen hier überhaupt nicht auf, denn hier sind Tennissocken Trend, zumindest in diesem All-inclusive ich saufe bis zum Umfallen Hotel.

Nee, Unterkünfte dieser Art meide ich mittlerweile gekonnt und ja, ich bin da ein wenig eingebildet und sage: Ich mag keine Touristen! Klar, wenn ich in den Urlaub fahre bin ich selbst einer, aber ich habe geübt, touristisches Verhalten zu vermeiden. Übrigens sprecht mal eine Bedienung auf Malle in fließendem Spanisch an, die verstehen kein Wort.

Zum Glück haben wir jetzt unser altes 70er Jahre Wohnmobil und sind auf Hotels nicht angewiesen, aber ich kann euch sagen, auch Campingplätze können echt die Hölle sein und werden von uns seit der letzten Erfahrung grundsätzlich gemieden. Fein säuberlich eingeparkt in die zugewiesene Parzelle stehen sie da, die weißen Giganten. Teilweise so eng beieinander, das man nicht einmal die Tür komplett öffnen kann, doch wir haben Glück, wir können so gar einen Tisch neben unserem Womo platzieren und ich versuche ein wenig zu entspannen und ein Buch zu lesen. Was habe ich mich darauf gefreut und dann kam Harald, in ziemlicher knapper Badehose und sonst nichts: „Ey, ihr habt ja ein schickes altes Teil. Damit fallt ihr auf jeden Fall auf. Ich bin übrigens Harald und das ist die kleine Coco, wegen Coco Chanel haha“ und er zeigt auf eine kleine Pudel-Dame. Alles klar, Harald will nur freundlich sein und sich vorstellen und ich lege mein Buch kurz aus der Hand, was ein Fehler war, denn wie sich im Nachhinein herausstellte, hat Harald Sitzfleich. „ Ich komma kurz rüber“ sagt Harald. Hä, wieso rüber? Er muss nur einen Schritt machen und sitzt schon bei uns am Tisch. „Is dat nich schön hier? Ruhe und Erholung pur ne?“ Ja bis gerade eben noch und so lange ich nur in mein Buch schaue geht’s klar, denke ich mir und ich verfluche meinen Liebsten dafür, dass er gerade jetzt mit den Hunden ein Ründchen dreht. Drinnen blubbert der Kaffee auf dem Gaskocher, was auch Harald sofort bemerkt: „och, du hast bestimmt ein Schlückchen für mich über ne.“ Ja sicher habe ich das und dann geht’s los Harald erzählt und erzählt und erzählt und auch als mein Liebster wieder da ist, erzählt er einfach weiter. Irgendwann schaffe ich es, ihm mitzuteilen, dass wir nun den Grill vorbereiten müssen. „Ach ihr grillt, da schließe ich mich doch gerne an.“ „Ja, aber bei uns gibt’s kein Fleisch auf dem Grill erzähle ich ihm in der Hoffnung das es abschreckt. „Ach dat macht doch nichts, ich stell meinen eigenen einfach daneben.“ Nichts gegen Harald, dass möchte ich betonen und eigentlich freue mich auch über kommunikative Menschen, aber an diesem Tag wollte ich einfach meine Ruhe. Die Krönung war, als wir gerade die erste Paprika auf dem Teller haben und Harald noch auf sein Steak warten musste. Da fällt ihm ein, dass er noch sein Kloh leeren muss. Er verschwindet also kurz in seinem Luxusmobil und wir hören ihn draußen fluchen. Ja, so ein Kloh auszubauen ist manchmal gar nicht so leicht. Letztlich hat er es geschafft und mit Bottich in den Armen kommt er wieder nach draußen. Nun ist aber auch bereits sein Steak gut durch und da der Hunger vorgeht, stellt er den stinkenden Pott gnadenlos direkt neben unserem Tisch ab.

Zwangsläufig sehe ich das Bild vor Augen, wie Harald, der große kräftige Harald, auf diesem kleinen Pott sitzt. Nee, ich kann nicht mehr und nehme die Mücken als Ausrede um schon einmal reinzugehen. „So jetzt sind wa unter Männern“ höre ich Harald noch sagen und so leid es mir auch für meinen Liebsten tat, ich musste doch ganz schön mit mir kämpfen, meinen Lachflash zu unterdrücken, als ich das panische Gesicht von im sah. Der Abend wurde lang für ihn, sehr sehr lang.

Der nächste Tag am Strand, welcher zum Campingplatz gehörte, ließ uns noch am selben Abend wieder abreisen. Liegestuhl an Liegestuhl, Handtuch an Handtuch. Ein Meer aus verschwitzten Körpern, nur das Wasser war nicht zu sehen. Laute Musik von allen Seiten und Harald mittendrin. Meine Laune sank auf dem Tiefpunkt und wir mussten noch ca 3 km laufen, um ein etwas ruhigeres Plätzchen zu finden.

Jetzt fahren wir nur noch an Orte wo möglichst wenig los ist. Wo wir unter uns sind und unter Einheimischen. Weit weg von Pauschal-Touris und ohne Fremdschäm Gefühl, wegen weißen Tennissocken und besoffenen Köppen. Ach ja, ich weiß, dass klingt so furchtbar überheblich und letztlich werden auch wir, egal wo wir hindüsen, immer Touris bleiben, aber so aussehen, müssen wir doch noch lange nicht.

abseits vom Massentourismus

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16 Comments

  • Reply Myriam 13. Juli 2016 at 9:22

    Hi,

    viele machen nicht umsonst den Unterschied zwischen Urlaub machen und durch ein Land reisen. Es gibt halt viele Menschen denen ist das Urlaubsziel egal. Hauptsache es gibt Sonne, Strand und Hotelliegen auf denen man um 6 Uhr morgens schon sein Handtuch legen kann. Ich bevorzuge lieber zu reisen und als typischer Tourist möchten wir auch nicht auffallen. Aber zum Glück gibts im jeden Land auch kleine Pensionen oder Ferienwohnungen und man muss den Günnis dieser Welt nicht beim Schaufeln zusehen. 😉 Mittlerweile mag ich nicht mal mehr Städtetrips, weil dort immer zu viele Menschen sind. Als wir im Juni auf Teneriffa waren, haben wir den touristischen Süden fast komplett gemieden.

    LG Myriam

  • Reply Steffi 12. Juli 2016 at 19:07

    Ich liebe deine Artikel. Ich glaube jeder kennt diese Situationen. Wie du schon von dir sagst bin auch ich ein kommunikativer Mensch aber im Urlaub will man einfach die Ruhe genießen. Wir haben Gott sei Dank einen Garten mit Gartenhütte und einen riesigen See dabei zum schwimmen, deswegen fahren wir im Sommer eigentlich gar nicht mehr weg. Dann lieber im Winter in eine Therme (wenn ich ganz meine Ruhe haben will sogar eine wo Kinder nicht erlaubt sind). Ist viel angenehmer und erholsamer als diese Touristen Orte aufzusuchen.

    Liebe Grüße
    Steffi

  • Reply Christine 12. Juli 2016 at 18:40

    Ich mag solche Hotels und Reisen auch gar nicht mehr… Null! Auf was für Leute man da trifft.. zum Teil ist das wirklich schrecklich und na ja… manchmal begegnet man auch lustigen Fällen, aber meistens sind die Leute recht engstirnig und kleingeistig.
    Ich bin einfach mehr der Roadtrip Typ.

    (Auch, wenn man über solche Menschen wenigstens lustige Geschichten erzählen kann)

    • Reply beccs@ruhrstyle 14. Juli 2016 at 7:37

      Jaaaaaaa! Roadtrippin ist einfach der beste Urlaub, das sehen wir genauso. Anhalten wo es einem gefällt und die schönsten Ecken entdecken.
      Und, geht es für dich diesen Sommer nochmal nach Italien?

      Viele Grüße
      Rebecca

  • Reply Isabell 12. Juli 2016 at 10:13

    Liebe Rebecca,
    das Gefühl kenne ich nur zu gut. Im Urlaub möchte ich auch nie als Tourie erkannt werden. Am liebsten würde ich immer als Einheimische durchgehen und so von den schönsten Ecken und Winkeln des landes erfahren. Beim Camping Brixen letzten Sommer ist es uns fast geglückt, unsere Nachbarn dachten die ganze Zeit, dass wir einen Kurztrip für die Kids machen – und nicht unseren Familienurlaub auf dem Campingplatz verbringen. 😉

    Liebe Grüße, Isabell

    • Reply beccs@ruhrstyle 14. Juli 2016 at 7:34

      Hallo Isabell,

      du hast mir schon einmal von Camping Brixten erzählt und das hatte sich super angehört. Ich meine, du hast mir so gar mal einen Link oder so geschickt, aber leider kann ich diesen nicht mehr finden. Wärst du so lieb, mir da nochmals die Kontaktdaten zukommen zu lassen?

      Ganz liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Marlene 11. Juli 2016 at 11:37

    Liebe Rebecca,
    ich fahre schon seit über 20 Jahren regelmäßig nach Mallorca. Ich liebe die Insel, da sie inzwischen natürlich auch ein Stück zu Hause ist. Ich liebe unser kleines mallorquinisches Dorf, unseren Bäcker, unseren Schäfer, von dessen Feigenbaum wir naschen dürfen, unsere kleine Bar auf dem Marktplatz. Ja, ich bin Deutsche und auch (trotz kleiner Finca) irgendwie Touristin. Und ehrlich gesagt: wenn neben mir bei unserem morgendlichen Café con leche deutsche Touristen Platz nehmen, denke ich: hey, was machen die denn jetzt hier! Haha… Und wenn wir dann mal wirklich von Touristen umzingelt sind, denn: ja, ich möchte auch mal an den Strand in meinem Urlaub, habe ich mich immer lange davor geweigert, auf irgendeine Art als Deutsche erkannt zu werden. Aber eins muss ich sagen: es ist wirklich besser geworden! (die 100 Meter Ballermann kann ich nicht beurteilen) Aber generell muss man sich weniger an die Stirn hauen. Weiße Socken sterben langsam aus, die Familie sitzt Mittags unterm Sonnenschirm und manchmal wird sogar diese wundervolle Insel auf eigene Faust erkundet und nicht nur der Sangria-eimer (die ja mittlerweile verboten sind) Ich gebe die Hoffnung nicht auf. 😉
    Beim Camping bin ich raus… 😉
    Aber insgesamt habe ich es geschafft, das alles mittlerweile interessiert anzuschauen. Ich muss keinem beweisen, dass ich anders bin. (Ich gestehe: manchmal setze ich am Flughafen einen besonders gelangweilten Blick auf, damit ich so aussehe, als würde ich nun nicht das erste Mal und schon gar nicht zum feiern nach Mallorca fliegen) Haha……solange man auch über sich selbst lachen kann, ist der Urlaub gerettet!
    Alles liebe
    Marlene

    • Reply beccs@ruhrstyle 14. Juli 2016 at 7:29

      Hallo Marlene,

      du hast natürlich Recht, Mallorca hat traumhaft schöne Ecken und ich glaube auch, dass meine Erfahrung sich eher auf die Region rund um den Ballerman bezieht und ebenso nur auf bestimmte Hotels. Freunde von mir fahren auch regelmäßig auf diese Insel, immer abseits der Touri-Zone und sie sind jedes Mal aufs Neue begeistert und verliebt. Ich habe mal gelesen, dass Mallorca unbedingt dieses Ballermann-Image loswerden möchte und auch viel dafür tut. Es ist ja auch zu schade, wenn ein Land bzw. eine Insel so reduziert wird. Außerdem gibt es diese Meilen so gut wie überall. Ob am Plattensee, auf Ibiza, auf Kreta usw. Ich hatte damals einfach ein wenig Pech mit der Hotelwahl und es ist ja auch schon wieder ein Weilchen her. 🙂

      Liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Jasmin 11. Juli 2016 at 10:47

    Mein Beileid das hört sich echt nicht erholsam an! Ich bin da eher für wildcampen wenn es denn möglich ist, liebe das total! Camping ist miterweile ja auch echt teuer geworden leider aber immer noch besser als Hotels. Nur wenn man dann sowas erleben muss auch wieder doof. Aber immerhin hat man dann was lustiges zu erzählen 😀

    Liebe Grüße
    Jasmin

    • Reply beccs@ruhrstyle 14. Juli 2016 at 7:16

      Ja es ist echt erstaunlich, was manche Camping Plätze mittlerweile für Preise verlangen, aber wir stehen eh am liebsten frei. 🙂 Leider wird auch dies immer schwieriger, weil es so viele unverantwortliche Camper gibt, die meinen ihre Chemie-Toilette mitten in der NAtur auslehren, oder ihren gesamten Müll in die Mülleimer vom Wanderparkplatz schmeißen zu müssen. Nun stehen an vielen Orten, wo man theoretisch wunderbar stehen könnte, Verbotsschilder für Wohnmobile.:-(
      Bist du, wenn du campen gehst mit dem Zelt unterwegs?

      Viele Grüße
      Rebecca

  • Reply *thea 11. Juli 2016 at 9:08

    haha ja irgendie gibt es sie echt, die klischees! Ich bin auch oft im Zwiespalt, will keinen Massentourismus – aber wenn ich wo bin gehe ich dann doch zu den Sehenswürdigkeiten, denn das Wort besagt es ja schon – sie sind es würdig zu sehen. So habe ich mich in Indien halt auch morgens um fünf in die Schlange vom Taj Mahal gestellt und bin in New York auf den Time Square. Aber gerade in einem Badeurlaub, brauche ich außenrum dann aber immer ganz viel Individualurlaub, am liebsten Naturstrände und für mich zwar kein Wohnmobil, dafür eine schöne Selbstversorgerunterkunft und ich bin zurfrieden 😀

    • Reply beccs@ruhrstyle 13. Juli 2016 at 6:18

      Nun gut, manche Sehenswürdigkeiten muss man ja auch einfach mitnehmen, wenn man die Chance dazu hat und es kommt ja auch immer darauf an, was man geplant hat. Urlaub zum entspannen oder Action oder beides zusammen. Ferienhäuser bzw. Selbstversorgerunterkünfte finde in auch unheimlich praktisch. Wir hatten mal ein ganz tolles Häuschen in Ligurien/Italien, mitten auf dem Berg und mit einem unglaublichen Blick auf das Tal, bis hin zum Meer. Ligurien ist ja ansonsten auch recht voll, aber wenn man dann heim kam,hatten wir absolute Ruhe.

      Liebe Grüße
      Rebecca

      • Reply *thea 13. Juli 2016 at 16:52

        es war aber nicht zufällig in dem Örtchen Tellaro ein Stein-Cottage? Das wäre lustig, denn da war ich letztes Jahr im September 😀 Genau die gleiche Erfahrung habe ich da auch gemacht 😉

        • Reply beccs@ruhrstyle 17. Juli 2016 at 7:01

          Nee, es war bei Montevalli und die größte Stadt in der Nähe war La Spezia. 🙂

  • Reply Jenni 11. Juli 2016 at 6:23

    Liebe Rebecca!

    Oje – das sind ja beinahe alptraumhafte Erfahrungen, die ihr da gesammelt habt!
    Ich muss gestehen: Auf mich wirkt dieser Artikel keineswegs überheblich. Ich kann gut nachvollziehen, dass man gerade im Urlaub seine Ruhe haben möchte (wozu fährt man sonst in den Urlaub) und in der Regel mit dem ziemlichen Gegenteil beglückt wird.
    Die Ruhe und Abgeschiedenheit suche ich in der Regel auch als erstes auf, wenn ich irgendwohin reise. Natürlich ist es nicht immer einfach, den typischen Tourismus-Routen aus dem Weg zu gehen – vor allem, wenn man von dem jeweiligen Land keine Ahnung hat -, aber ich versuche es doch immer wieder und ich finde, gerade dort macht man die schönsten Urlaubserfahrungen. Alles andere ist ja auch wiederum nur Inszenierung für den Klischeeliebhaber und dient der Bekräftigung ohnehin schon festsitzender Vorurteile…

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply beccs@ruhrstyle 13. Juli 2016 at 6:09

      Ja, du hast Recht, nicht immer kann man den Touristenschwärmen entkommen. Besonders bei Citytrips, zum Beispiel nach Paris. Da hat man doch so manches Mal das Gefühl, ganz Europa besteigt gerade den Eifelturm 🙂 Ich finde auch, das man abseits vom Trubel die schönsten Erinnerungen sammelt. Es ist so toll mit Einheimischen Abends zusammenzusitzen und gemeinsam zu essen. Ganz wunderbar möglich ist das zum Beispiel in den kleinen Dörfen der Pyrenäen.

      Viele liebe Grüße
      Rebecca

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