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Rassisten seid ihr doch!

24. Juni 2015

Während ich hier mit meiner Nierenbeckenentzündung liege, habe ich viel Zeit mir über einiges Gedanken zu machen. Diese drehen sich momentan keineswegs um das perfekte Outfit oder den tollsten Lippenstift. Im Gegenteil, diese Dinge sind für mich gerade so in den Hintergrund gerückt, dass ich es einfach nicht schaffe, mich vor eine Kamera zu stellen und tolle Posen zu kreiren.

Vielmehr beobachte ich zur Zeit mit großen Schrecken, was auf unserer Welt, die doch niemandem gehört, die aber dennoch für alle da ist, passiert.

Wusstet ihr, das allein dieses Jahr 1800 Menschen auf ihrer Flucht vor Not, politischer Verfolgung und Angst gestorben sind? Das ist nur die Zahl die gezählt werden konnte. Schätzungweise treiben weitere 3419 tote Flüchtlinge auf Europa zu.  Die Europäische Union ist unheimlich betroffen, aber leider verweigert Europa eine Seenotrettung.

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Da ist es ja toll, dass das Erzbistum Köln die Glocken läuten lässt, doch was ändert das? Die Menschen sind tod, darunter Kinder und schwangere Frauen! Die meisten wissen, dass ihre Chancen auf eine Ankunft auf europäischen Boden mehr als schlecht sind und dennoch nehmen sie dieses Risiko in Kauf. Von was für einer furchtbaren Angst und Not sie doch angetrieben sein müssen um diesen Schritt zu gehen.

Und hier sitzen dann irgendwelche (entschuldigt) Arschlöcher, die behaupten wir haben keinen Platz für diese Menschen??? Das ist nicht unser Problem! Wie kommen wir überhaupt dazu zu entscheiden, wo jemand leben darf? Hallo, die Grenzen wurden von Menschenhand erschaffen! Mit was für einem Recht? Dieser Planet gehört uns nicht, wir dürfen nur eine gewisse Zeit hier verweilen. Macht euch das mal bewusst!!!

Menschen gehen hier auf die Straße und demonstrieren gegen Flüchtlingsheime. „Man solle die Flüchtlinge ruhig ersaufen lassen“, „Alle zurückschicken“, „Uns gehts hier auch nicht mehr so gut, dass wir jeden aufnehmen können“ Das sind Zitate von Menschen, die sich offensichtlich noch nie über etwas anderes Gedanken gemacht haben, als um ihr eigenes ICH.

Protest gegen Asylbewerber-Heim

Hier mal ein 3 Fakten:

1. In Flüchtlingslager werden Kinder missbraucht! „16 Soldaten unter UN-Mandat – elf aus Frankreich, drei aus dem Tschad und zwei aus Äquatorialguinea – sollen 14 Jungen aus M’Poko sexuell missbraucht oder den Missbrauch ermöglicht haben. Das jüngste Opfer war demnach neun Jahre alt, das älteste 15. Die Täter bezahlten mit Keksen, Trinkwasser oder Geld. “

Dahin sollen diese Menschen zurück? Würdet ihr euer Kind dorthin schicken?

2. Frauen werden vergewaltigt bzw. müssen ihren Körper verkaufen! „Ab einem Dollar kostet eine Frau für einen Blauhelmsoldaten auf Friedensmission. So viel wie eine Flasche Wasser. Sex gegen Nahrungsmittel oder Medikamente – bei einem solchen Tausch geht es für die Frauen fast immer ums Überleben. Die pure Not zwingt sie in diese Form der Prostitution. Und es gibt Männer, die diese Not ausnutzen und Frauen und Kinder sexuell ausbeuten. Männer, die von der Weltgemeinschaft in diese Länder gesandt wurden, um den Frieden zu sichern und die Bevölkerung zu schützen. Ein aktueller UN-Bericht, der in diesen Tagen veröffentlicht wurde, zeigt, dass UN-Mitarbeiter in Ländern wie Haiti, Sierra Leone und der Demokratischen Republik Kongo Frauen und Minderjährige zum Sex genötigt haben.“

Dahin sollen diese Menschen zurück? Würdet ihr eure Frau dorthin schicken?

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3. Jarmuk (Damaskus) ist ein Todeslager! „Die Bewohner von Jarmuk, darunter 3500 Kinder, sind zu menschlichen Schutzschilden geworden. Die Leute haben alle Vorräte längst aufgebraucht, die Zahl der Toten durch Hunger und Unterernährung liegt jetzt bei 174. Seit 200 Tagen gibt es auch kein Wasser mehr. Die Menschen hatten sich seit Monaten von Gras, Insekten oder den wenigen Lebensmitteln ernährt, die zu horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden. Per Fatwa hatte ein Imam das Schlachten von Hunden, Katzen und Eseln erlaubt, doch auch die Tiere waren inzwischen aufgegessen.“

Möchtest ihr dort leben?

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Ich weiß genau, ihr werdet alle drei Fragen mit Nein beantworten.

Und dennoch: „In Harvestehude klagen einige Anwohner mit Anwälten gegen das geplante Flüchtlingsheim an der Sophienterrasse. Einige sorgten sich dort vor allem darum, dass der Wert ihrer Immobilie schrumpfen könnte, wenn dort ein Flüchtlingsheim gebaut wird. Das muss nicht immer rassistisch sein. Aber das ist auf jeden Fall nicht menschenfreundlich.“

Ihr habt ein Haus um das ihr euch sorgen könnt! Was haben die Flüchtlinge?

Viele von euch sagen, dass sie keine Rassisten sind. Ich sage: Rassisten seid ihr doch!

Es ist wie damals, als alle plötzlich den Arm fallen ließen und meinten, sie wüssten nicht was passiert ist. KZ? Was ist das? Nie gehört!

Ihr belügt euch selbst mit euer Floskel: “ Ich bin ja kein Rassist, aber…!“

Ich bin wirklich froh, dass immer mehr Menschen auf die Straße gehen und gegen diese rechte Bewegung Widerstand leisten. Es wäre bestimmt einiges an Unheil erspart geblieben, wenn das 1933 auch mehr Menschen getan hätten.

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8 Comments

  • Reply Madlén Bohéme 30. Oktober 2015 at 16:06

    Danke für diesen Bericht, ich sehe das genauso und wenn man mal daran denkt, dass sich Geschichte leider immer wiederholt hat, will ich mir das Ausmaß des allgemeinen Rechtsdrucks in ganz Europa gar nicht ausmalen.

    Liebst,

    http://www.madlenboheme.com

    • Reply beccs@ruhrstyle 1. November 2015 at 8:41

      Das verstehe ich sehr gut. Ich mache mir auch oft Gedanken wo die zunehmende Rechtradikalität hinführen soll, aber viel mehr noch beschäftit mich, wie man zu so einer Lebenseinstellung kommen kann. Wie man so einen Hass entwickeln kann.

  • Reply Lea 26. Juni 2015 at 21:52

    Das is ein Post, der mir sehr gut gefällt. In der oft leider doch sehr oberflächlichen Bloggerwelt fällt der wirklich total auf und behandelt ein Thema, das von viel zu vielen einfach ignoriert oder verdrängt wird.
    Es ist wirklich grauenhaft und unvorstellbar was da in der Welt passiert. Das muss man sich mal vorstellen und dann muss man sich mal vor Augen führen, über welche banalen Dinge wir uns hier Gedanken machen….
    Liebe Grüße
    Lea
    a href=http://www.lichtreflexe-blog.de>LICHTREFLEXE
    FACEBOOK

  • Reply Nissi Mendes 26. Juni 2015 at 18:51

    Hallo Rebecca!
    Den Artikel finde ich super. Ich äussere mich zu ungern öffentlich zu politischen Themen. Du darfsch mir aber ruhig glauben, dass ich dein Groll sehr sehr gut nachvollziehen kann…

    http://www.nissimendes.ch

    • Reply beccs@ruhrstyle 27. Juni 2015 at 8:43

      Liebe Nissi,

      ich kann dich auf eine Art gut verstehen, denn wenn man sich zu diesen Themen aoßert, bietet man auch eine enorme Angriffsfläche, aber ich finde in mancher Hinsicht sind wir Bürger nun einmal verflichten den Mund aufzumachen und zu sagen: Stop, hier mache ich nicht mit. Wie sollten sich die Missstände ändern, wenn alle zuschauen?

  • Reply Roberta 25. Juni 2015 at 9:37

    Hallo,
    erstmal vielen Dank für diesen wieder sehr wichtigen und richtigen Beitrag. Macht weiter mir der Aufklärungsarbeit, auch wenn die meisten Menschen nichts davon hören wollen.
    Das Problem ist ja ein gesamtgesellschaftliches und wird sich nicht lösen lassen. Nicht, solange das Geld regiert, die reichen Länder nichts anderes als wirtschaftliche Interessen verfolgen und die dort lebenden Menschen bereit sind, etwas von ihrem Status oder ihrem Reichtumg aufzugeben.

  • Reply Alice @ Aliciouslog 24. Juni 2015 at 12:04

    Liebe Rebecca!

    Ich bin über DariaDaria auf deinen Blog gestoßen und finde es super, dass du ihn (genauso wie Madeleine) als Plattform nutzt, um Dinge anzuprangern, die vor unser aller Augen geschehen, aber nur zu gerne übersehen werden. Derzeit geht es mir wohl ähnlich wie dir, ich hab einfach genug vom grassierenden Rassismus. Dieses ständige „Ich will ja nicht rassistisch klingen, aber…“ geht mir gehörig auf die Nerven. Dazu kommt noch die FPÖ (eine Partei, die sich so weit rechts der Mitte platziert, dass sie droht, vom Teller zu fallen), die aufgrund der Lethargie der übrigen Parteien Tag für Tag an Wählern gewinnt. Selten hat mich etwas so wütend gemacht – vermutlich weil mich selten ein Thema so berührt hat.
    Allerdings habe ich bisher noch keinen Weg gefunden, ein nachhaltiges Zeichen dagegen zu setzen…außer meinem gestrigen Blogpost: http://www.aliciouslog.com/enough-is-enough/

    Dein Artikel ist übrigens klasse!

    Liebe Grüße aus Wien,

    Alice

    • Reply beccs@ruhrstyle 24. Juni 2015 at 13:45

      Liebe Alice,

      erst einmal vielen Dank für deine lieben Worte. Ich bin ebenso ratlos darüber, wie man ein wirklich nachhaltiges Zeichen setzen kann. Aufklärungsarbeit ist mit Sicherheit schon mal ganz gut, man kann sich an Demonstrationen gegen Fremdenhass beteiligen und vielleicht den angekommenen Flüchtlingen vor Ort unter die Arme greifen. Zum Beispiel kann man ihnen kostenlos Deutschunterricht geben, Klamotten spenden oder Möbel zur Verfügung stellen. Wie man aber das Problem an sich lösen soll? Ich weiß bislang keine Lösung.

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