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Primark Hauls: Gedanken machen tut weh!

21. März 2016

Mode, ein seltsamer Weg

„Mode ist jener seltsame Vorgang, bei dem allen plötzlich etwas gefällt, was ihnen gestern noch nicht gefallen hat und was ihnen morgen nicht mehr gefallen wird.“

Das sagte sie, die liebe Margot Hilscher und sie hat ja sowas von recht. Momentan laufen überall Piloten rum, weil zur Zeit die guten alten Bomberjacken wieder so richtig schön sind, morgen werden wir vielleicht zu Cowboys und mal sehen, vielleicht und das wäre ja sowas von krass, gibt es schon bald tausende Marie Antoinettes. Doch egal wie verrückt diese Fashion Welt auch ist, Mode ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens.

Doch wie weit, darf unsere Liebe zu Klamotten eigentlich gehen? Ist es in Ordnung, wenn uns in keinster Weise interessiert, woher unsere Kleidung kommt und wer sich beim Nähen vielleicht in den Finger gepiekst hat? Die Fragen muss sich jeder selbst beantworten!

Sehr oft habe ich im Internet Beiträge gelesen oder Videos gesehen mit den Überschriften: „Outfit für 50 Euro“ oder „Primark Hauls“. Wenn der Spruch „Kleider machen Leute“ stimmt, was sagen dann Beiträge mit solchen Themen über den Charakter der dahinter stehenden Menschen aus? Vielleicht mögen diese Menschen den Geruch von Chemie, der bei Primark so stark ist, dass selbst die etlichen Parfumnoten der Hunderten umherirrenden kaufwütigen Pfennigfuchser locker übertüncht wird. Wahrscheinlich interessieren sie sich nicht für Nachrichten, denn sonst wüssten sie Bescheid über die vielen negativen Schlagzeilen und würden mit Sicherheit nie wieder einen Fuß in diesen Laden setzen. Oder aber, sie sind durchaus belesen und informiert, wissen aber aufgrund ihrer langen Recherchearbeiten dass sowieso alle Läden irgendwie Dreck am stecken haben und da man ja irgendwo einkaufen muss,  kann es dann auch wenigstens so billig wie nur möglich sein. Auf diese Weise kommen dann wohl auch solche Videos zustande, wie die von Funnypilgrim, die stolz ihre 7,99 Polyester-Kleidchen in die Kamera hält.

Ja ich weiß, ich werde schon wieder frech und so manchen geht das gegen den Strich und um diejenigen zu besänftigen verrate ich euch nun mal etwas: Auf den Bildern trage ich ein Outfit, welches weniger als 50 Euro gekostet hat. Das ist ein Ding, nicht wahr!?!

Die Jeansjacke habe ich für schlappe 5 Euro gekauft. Die Weste,  es ist unglaublich aber wahr, hat mich 3 Euro gekostet. Sie ist handgemacht und ursprünglich aus einem Dorf in Peru. Die Jeans ist von dem fair Fashion Label Fillipa K  und hat 15 Euro gekostet. Das weiße Longsleeve ist mit einem Euro quasi schon als Geschenk zu betrachten. Alle Teile habe ich second hand gekauft und so ein komplettes Outfit für schlappe 24 Euro zusammengestellt. Nur die Schuhe und der Schal auf meinem Kopf sind schon sehr lange in meinem Besitz und können nicht dazu gezählt werden.

Outift unter 50 euro

Ich verstehe durchaus, dass es manchmal an Geld fehlt und das es nicht für jeden möglich ist, ohne weiteres einen Pulli für 80 Euro zu kaufen, aber bevor man dann zu diesen billig produzierten Kleidungsstücken greift, könnte man doch lieber eine Runde über den Trödel drehen oder einen second hand Shop besuchen und ein hochwertiges Teil für wenig Geld erstehen. Abgesehen davon gibt es auch noch Tauschpartys, die man in Betracht ziehen könnte.

Es wird uns nicht gelingen auf Dauer die Augen vor dem zu verschließen, was die Massenproduktionen anrichten. Im Moment des Kaufes gelingt es zwar vielen Menschen, die Probleme auszublenden, aber irgendwann holen sie uns ein; und wenn wir uns so umsehen, wird das wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis auch der Westen und somit wir, die Auswirkungen am eigenen Leib erfahren dürfen. Ja, Gedanken machen tut weh und Floskeln wie, „was kann ich denn bewirken“ oder „das kann man nicht ändern“, sind zwar leicht daher gesagt, aber ebenso unüberlegt. Jeder der will, kann auch! Die, die ihr solche oder ähnliche Sprüche ablässt, müsst einfach mal ein bisschen euer Ego einzäunen!  Oder besser noch, denkt wirklich mal an euch selbst und ändert euer Kaufverhalten, denn davon habt ihr langfristig etwas, unsere Umwelt und die Menschen, die unsere Kleidung herstellen.

Primark Hauls: zum kotzen

 

 

 

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12 Comments

  • Reply Jenni 31. März 2016 at 22:09

    Hallo Rebecca!

    Ich stimme dir ebenfalls in allen Punkten zu und ich finde es klasse, dass du aufgezeigt hast, dass nachhaltige Mode weder fade aussehen (tolles Outfit!) noch unbezahlbar sein muss. Ich finde es schade, dass viele Menschen sich nicht richtig mit der Materie auseinandersetzen – und wenn sie es doch tun, denken sie schnell, dass vegane und nachhaltige, fair produzierte Kleidung ja ein Vermögen kosten müsse. Dabe ist das schon lange nicht mehr der Fall und es gibt immer mehr kleine Modefirmen, bei denen man ungefähr denselben Preis wie für konventionelle Modemarken zahlt – die extremen Discounter sind hier einmal ausgenommen.

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply beccs@ruhrstyle 4. April 2016 at 17:46

      Danke dir liebe Jenni. Ich stimme auch deinen Worten absolut zu. Es ist schon recht verwunderlich, dass manche Menschen 100 oder 200 Euro bei Zara, Primark oder wie se alle heißen lassen, aber nicht bereit sind, diesen Preis für nachhaltig produzierte Kleidung auszugeben. Ebenso kaufen sich diese Leute teure Sneaker oder andere Schuhe für 200 Euro, aber derselbe Preis für vegane Schuhe ist zu hoch angesetzt. Da fehlt mir wirklich das Verständnis. Und du hast ja recht, es gibt mittlerweile viele kleinere Labels, die fair und nachhaltig produzieren und dennoch nicht mehr kosten als zum Beispiel Zara.

      viele liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply tara 29. März 2016 at 10:14

    hallo rebecca,
    schöner guter artikel :-).
    frau muss schon grübeln wenn ein belegtes brötchen mehr kostet ein t-shirt von mega-discount-fashion-ramsch. und auch beim relativ „kostspieligen“ anscheinendem biobaumwoll-t-shirt sind noch zweifel – laut recherche bekommt die näherin in indien für dieses sog. bio- t-shirt für 29 euro im verkauf nur 18 cent lohn (siehe http://www.lohnzumleben). ganz zu schweigen der skandal bei kik (fabrikgebäude brennt nieder – 250 tote) + tierfelle in fashion…usw.

    die schere im karma-kopf: ethik versus konsum. jeder muss bei sich selbst anfangen ob teuer oder günstig. ich schliesse mich deinen nachdenklichen inspirierenden outputs an: „weniger ist mehr“ und selbermachen – möglichst nachhaltig und fair + upcyceln/recyceln)
    gruß
    tara
    (hier noch ein link zu ersatzleder aus anasfasern : http://www.ananas-anam.com/pinatex)

    • Reply beccs@ruhrstyle 29. März 2016 at 19:15

      Hallo Tara,

      es ist schon eine ordentliche Scheiße, die da in der Bekleidungsindustrie läuft und das mit den Bio-Shirts habe ich auch schon öfters gehört und es macht mich rasend. Da denkt man, man tut etwas gutes und wird gnadenlos veräppelt.
      Vielen Dank übrigens für die Links!

      liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Jana 28. März 2016 at 11:18

    Toller Beitrag, der ein wichtiges Thema aufgreift!
    Das schlimmste ist ja eigentlich, dass die Leute 10 Sachen mit dem Gesamtwert von 100 Euro aus Primark rausschleppen. Das heißt, das Geld ist ja durchaus da, aber für die zählt mehr die Quantität. Dass Modeblogger in der Hinsicht auch, bis auf wenige Ausnahmen, kein Verantwortungsbewusstsein fühlen und weiterhin Überfluss und Verschwendung predigen, finde ich wirklich bedenklich. Fashion bedeutet doch nicht, sich das neuste zu kaufen, sondern gut kombinieren zu können und einen Sinn für schöne Outfits zu haben.

    Lieben Gruß,
    Jana
    http://www.worteplustaten.de

    • Reply beccs@ruhrstyle 29. März 2016 at 19:22

      Absolut richtig! Mir fehlt auf vielen Blogs der wirkliche Sinn für schöne Outfits. Nicht das die präsentierten Looks hässlig ausschauen, aber es ist auch allzu oft ein reiner Einheitsbrei. Wo bleibt da die INdividualität und das besondere. Was hat das mit einem besonderen und außergewöhnlichen Stil zu tun, wenn man sich lediglich an Trends orientiert!?!

      Und ja, es ist schon verwunderlich, dass 100 Euro für Primark vorhanden sind, aber nicht für ein Slow Fashion Teil. Leider leider sehen solche Leute aber ja nur wieviel sie für ihr Geld bekommen und nicht was.

      viele Grüße
      Rebecca

  • Reply Limalisoy 23. März 2016 at 11:49

    Ich verabscheue Primark ebenfalls und bekomme schon eine Gänsehaut, wenn ich Mädels mit vollen Papiertüten dieses Labels in der Stadt sehe.
    Für meine Kinder nähe ich auch gern selbst 🙂

    Liebe Grüße,
    Yvonne

    • Reply beccs@ruhrstyle 23. März 2016 at 12:11

      Hahahaha! Kann ich absolut nachempfinden.

      Nähen finde ich große klasse, aber leider bin ich diesbezüglich nicht so wirklich begabt 🙂 Zum Glück kann meine Mamma aber sehr gut nähen und ich freue mich immer sehr, wenn ich ein tolles Unikat aus Mamas Händen bekomme.

      liebe Grüße

  • Reply Fairlockend 21. März 2016 at 13:42

    Dem habe ich nichts hinzuzufügen – sehr richtig! Wobei doch, eine Kleinigkeit möchte ich ergänzen: Wir dürfen auch die Leute nicht vergessen, die auf den Baumwoll-Plantagen arbeiten. Die Näher und Näherinnen sind ja zum Glück inzwischen ab und zu Thema, aber auch in den Produktionsschritten davor sind Menschen involviert, deren Würde und Gesundheit den konventionellen Kleiderkonzernen am Ende sowas von egal sind. Auch da muss etwas geschehen.

    Das Outfit ist mal wieder unverwechselbar – ich mag es sehr, dass du deinen ganz eigenen Stil hast!

    • Reply beccs@ruhrstyle 22. März 2016 at 19:50

      Da hast du natürlich absolut recht und ich hätte die von dir beschriebene Problematik mit rein bringen sollen. Manchmal vergesse ich, dass manche so gar nicht informiert sind und gehe davon aus, dass dieses Problem bekannt ist.
      Ist es nicht erschreckend, wieviel noch getan werden muss!?! Ich hoffe das der Trend hin zu slow fashion sich weiter ausbreitet und ein wirklich nachhaltiges Zeichen gesetzt werden kann.

      Danke auch, für deine lieben Worte zu meinem Outfit. 🙂

      liebe Grüße
      Rebecca

      • Reply Fairlockend 23. März 2016 at 10:29

        Ich wollte dich natürlich nicht verbessern, nur diesen Aspekt noch reinbringen. 🙂
        Finde es an deinem Blog übrigens auch toll, wie Mühe du dir bei der Beantwortung von Kommentaren gibst – sieht man selten und spricht absolut für dich.

        • Reply beccs@ruhrstyle 23. März 2016 at 12:03

          Das habe ich auch absolut nicht so aufgefasst. 🙂 Ich mag ergänzende Kommentare sehr gern und ich finde es sehr gut, dass du diese Thematik nochmal aufgegriffen hast.
          Nun ja, ich finde es sehr wichtig auf Kommentare ordentlich zu antworten und den Lesern zu zeigen, dass man sich auch über sie freut. Auf Blogs wo ich kommentiere und nie eine Antwort bekomme, hinterlasse ich auch nichts mehr.

          Heute Abend komme ich übrigens auch wieder mal bei dir vorbei. Ich wollte noch deinen „Eitelkeit-Post“ lesen… 🙂 Das Titelbild ist total schön.

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