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Pelz: ein nie endender Modetrend der verboten gehört!

24. Februar 2017

In regelmäßigen Abständen kommt und geht in der Mode das was eigentlich schon mindestens einmal da war und wahrscheinlich auch noch in den nächsten Jahrzehnten x Mal wiederkommen wird. Ist ja prinzipiell auch gar nicht schlimm!

Allerdings gibt es Trends, da kann man nun wirklich nicht mehr davon sprechen, dass sie sich nicht wiederholen sollten, sondern da muss davon gesprochen werden, dass diese sich nicht wiederholen dürfen.

Ich weiß nicht ob es euch auch so geht, aber mir sind diesen Winter bei Instagram und Pinterest doch recht häufig Bilder von Frauen und Männern (mehr Frauen) in Pelzjacken, Pelzmänteln und Parkas mit überdimensionalen fellbesetzten Kapuzen aufgefallen. Diese wärmen nun nicht mehr den Körper des (es war einmal ein) Waschbären, sondern den der modebewussten Fashionista. Hello Eskimos in Paris! Traurig aber wahr und ich frage mich: „darf das wirklich in einer hochmodernen Zeit wie dieser toleriert werden?“ Ich meine klar, der Mensch ist seit Ewigkeiten daran gewöhnt, Tiere als weniger wert zu betrachten. Wir beuten sie aus und entscheiden über ihren Tod, was wohl mitunter daran liegt, dass wir denken, sie seien nicht mit uns auf einer Höhe, einer Wellenlänge. Doch selbst der übelste Fleischesser, wird mir doch wohl zustimmen müssen, wenn ich sage, das es keine schlimmere und unsinnigere Art gibt unsere perverse Überlegenheit auszuspielen, als Tieren gnadenlos, das Fell vom Leibe zu reißen.

Doch wie so oft, wird über die bestialische Vorgehensweise die zum Tode-des in diesem Falle-zukünftigen Körperwärmers führt, gar nicht weiter nachgedacht. Schließlich wollen doch alle Modebewussten gern ein bisschen wie Anne Wintour sein und die sagt schließlich, Pelz sei vollkommen legitim und ein Muss in jedem Kleiderschrank. Und letztlich ist es doch oft so, für viele Menschen steht der eigene Geschmack an erster Stelle. Das ist anscheinend nicht nur so, wenn es um den Fleischverzehr geht! Wir können, also tun wir es auch und hach was sind wir doch gut geübt im Verdrängen von eventuell unangenehmen Gedankengängen, nicht wahr!?!

Vielleicht habt ihr davon gehört! Ganz besonders begehrt sind seit einigen Jahren bei Modeschöpfern und sehr finanzstarken Verbrauchern, die sehr seltenen Vikunjas, die normalerweise in den Hochanden in 3500 – 5500 m leben! Diese tragen zwar kein Pelz, sondern Wolle und sie sterben auch nicht beim scheren, allerdings sind die kleinen Mini-Kamele äußerst sensibel. So konnte zum Beispiel festgestellt werden, dass ein in Gefangenschaft und Flachland gehaltenes Vikunja, nach dem scheren, kein neues Flaumhaar nachwächst, welches jedoch für die Wolle gebraucht wird. Was dann mit den kleinen seltenen Lebewesen passiert? …hmm!

Ganz paradox wird es übrigens, wenn die Pelzindustrie davon spricht, den natürlichen Kreislauf nur zu unterstützen, da manche Tierarten-zum Beispiel der Kojote-ansonsten überhand nehmen würden. Also jeder Dummkopf sollte wohl wissen, dass dem nicht so ist! Zwar ist der natürliche Kreislauf dieser Welt dank und Achtung, jetzt kommt die Überraschung, des Menschen gestört, aber laut Ökologen gibt es kein vernünftiges Argument Tiere aus Gründen der Bestandskontrollen zu jagen. Ja, de Kojoten fehlt der natürliche Feind der Wolf und ja, er kommt gern mal in die Menschensiedlung um unseren Müll zu vernaschen, aber das legitimiert nicht die Jagd.

Tierpopulationen regulieren sich durch das Nahrungsangebot und auch wenn die Zahlen mancher Tierarten vorübergehend überdurchschnittlich ansteigen, werden sich diese auch auf natürliche Art und Weise wieder regulieren. Unter anderem durch fehlendes Nahrungsangebot! Natürlich ist das traurig, wenn Tiere hungern müssen und daraufhin sterben, aber diesen Kreislauf als Ausrede für die Jagd der Kojoten und die Pelznutzung zu verwenden ist doch irgendwie eine äußerst perfide Rechtfertigung.

Nun mögen manche annehmen mit Kunstpelz sei man auf der sicheren Seite. Vielleicht denken manchen von euch auch, dass sie mit Sicherheit keinen echten Pelz besitzen, weil ihr euch diesen gar nicht leisten könntet. Doch auf den Preis als Garant für Kunstpelz zu setzen ist leider mehr als gewagt. So konnten letztes Jahr bei etlichen No-Name Herstellen Echtpelz-Rückstände in Kleidungstücken festgestellt werden, die zu einem Spottpreis verkauft wurden. Das Schuhgeschäft Osco hatte Schuhe mit Fuchspelz für 60 Euro im Angebot. Shok, Fast Forward und Steinbruch hatten Winterjacken mit Echtpelz-Besatz für ca. 120 Euro im Angebot. Alles made in China! Ein paar Euros drauflegen muss man bei Boss Orange, Woolrich und Napapijri, aber auch diese Hersteller verwenden Echtpelz aus China.

Generell kommt der größte Anteil von Pelz-Kleidung aus China. Dort werden die Tiere in den meisten Fällen lediglich mit einem Schlag auf dem Kopf getötet, was allerdings oftmals nur zu Bewusstlosigkeit führt und letztlich dazu, dass diese armen Lebewesen bei lebendigen Leibe gehäutet werden und somit erst nach etlichen Minuten unter qualvollen Schmerzen langsam dahinsterben.

Doch wie kann ich jetzt im Geschäft relativ schnell feststellen, ob der Pelz echt oder fake ist?

Leider wird von der Textilkennzeichnungsverordnung nur vorgeschrieben, dass die Verwendung tierischer Produkte gekennzeichnet sein muss, aber genaue Angaben werden nicht verlangt. Manchmal fehlen diese Angaben auch komplett.

Es gibt drei schnelle Möglichkeiten um sicher zu gehen, dass ihr keinen Echtpelz kauft:

  1. Seht nach ob am Fellansatz Leder zu sehen ist! Dafür streicht ihr die Haare auseinander, bis ein Scheitel entstanden ist. Seht ihr nun Leder zum Vorschein kommen, habt ihr Echtpelz in der Hand.
  2. Eine weitere Möglichkeit ist der Unterwolle Test! Für diesen müsst ihr die oberen langen und oftmals feinen Haare auseinander streichen. Sollte darunter eine etwas krause, flauschige, aber vor allem kürzere Haarschicht zum Vorschein kommen, habt ihr Echtpelz erwischt.
  3. Der Brenntest kann natürlich nicht im Laden durchgeführt werden, aber durchaus vor dem Geschäft. Seid einfach dreist und reißt euch ein paar Haare ab und zündet diese an. Riechen die Haare dann nach Menschenhaar, ist der Pelz echt, riecht es nach Plastik, wurde Kunstfell benutzt.

Solltet ihr im Laden einmal nicht gekennzeichneten Pelz entdecken, solltet ihr am besten direkt dem Filialleiter Bescheid geben, damit er das Kleidungsstück aus dem Sortiment nehmen kann und abgesehen davon könnt ihr euch an Welttierschutzgesellschaft wenden. Diese nehmen das Unternehmen dann genauer unter die Lupe.

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5 Comments

  • Reply Franziska 24. April 2017 at 3:26

    Liebe Rebecca
    Hier scheiden sich immer wieder die Geister. Die einen sprechen vom Tragen von Tierleichen, die anderen vom Nutzen der Tierwelt, die beim Jagen und Züchten sowieso uns ihr Fell zur Verfügung stellen und wir es weiter verwerten. Schlimm ist nur,, durch die Proteste haben die Chinesen den Fellmarkt ansich gerissen und die Praktiken in diesem Land sind uns bekannt. Eines ist sicher, Pelz wird niemals aus unserer Modewelt verdammt werden, dazu ist er zu tief etabliert. Wir tragen Pelz gerne und sind uns bewußt, er wärmt uns und wir sind damit elegant gekleidet.
    Dein Artikel ist gut geschildert, wird aber uns nicht verändern.

    • Reply beccs@ruhrstyle 24. April 2017 at 8:43

      Vielen Dank für deinen Kommentar liebe Franziska. Ich glaube, dass ein ganz großes Problem der Gesellschaft ist, dass wir immer davon ausgehen, wir (oder die anderen) können oder wollen sich sowieso nicht ändern.

      Liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Mira 3. März 2017 at 12:17

    Liebe Rebecca,
    toller Artikel! Ich finds so wichtig, dass dieses Thema immer und immer wieder angesprochen wird. Offensichtlich ist es noch nicht in den meisten Köpfen angekommen, sonst würds diese Depatte schließlich nicht geben.
    Ich verstehe nicht wie Modeschöpfer in der heutigen Zeit noch immer auf echten Tierpelz zurück greifen, wo es doch schon so viele künstliche Alternativen gibt, die kein Tierleid erzeugen.
    Die Tipps zum Echtpelz-Erkennen übrigens top! Das mit dem anbrennen wusste ich schon, die anderen Tricks kannte ich noch nicht, obwohl sie doch so offensichtlich sind!

    Alles Liebe,
    Mira

  • Reply Jenni 24. Februar 2017 at 18:58

    Liebe Rebecca,

    ich finde es toll und wichtig, dass du dieses Thema hier an dieser Stelle aufgreifst. Ich habe in letzter Zeit auch immer wieder gesehen, dass es viele Menschen zu geben scheint, die entweder leider nicht bescheid wissen über die Herkunft des Pelzes (also, dass es sich um Echt- anstelle von Kunstpelz handelt) oder denen es schlicht egal ist, was sie da tragen, solange es in und chick ist. Beides finde ich sehr traurig – und daher ist es gut, dass du zumindest für die erste Gruppe hier einen Sensibilisierungsansatz bietest.

    Was mir beim Lesen aufgefallen ist – und worauf ich dich keineswegs besserwisserisch aufmerksam machen möchte, sondern weil ich weiß, dass dir solche Dinge ebenfalls wichtig sind: Die Menschen in Grönland/Alaska und in den übrigen nördlichen Breiten nennen sich „Inuit“ (das bedeutet „Mensch“) – „Eskimo“ gilt mittlerweile als eurozentrisch-herabwürdigende Bezeichnung und sie würden sich selbst niemals so betiteln. Das wollte ich noch losgeworden sein. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply beccs@ruhrstyle 4. März 2017 at 7:22

      Danke dir liebe Jenni. Ja in der Tat scheinen viele diese Problematik zu ignorieren bzw. wollen nicht genauer hinsehen, getreu dem Motto: was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Das mit den Inuit weiß ich natürlich, aber ich hatte eigentlich bewusst Eskimo gewählt, weil ich auf Menschen die hier mit ihren Nordic Parka rumrennen ein wenig verachtend herabschaue. Ist vielleicht nicht so gut rübergekommen!?!

      Liebe Grüße
      Rebecca

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