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Otherside-Melodien voller Trauer

4. Juli 2016

Beste Freunde

Es sind diese Abende, wenn ich allein auf dem Sofa liege und die Musik von damals höre. Das Weinglas in meiner Hand und die Macht der Melancholie die sich in mir breit macht. Erinnerungen an eine Zeit, die nicht immer schön war und doch ihre Momente hatte. Diese speziellen, die für die Ewigkeit in mir weiterleben, auch wenn du mittlerweile gegangen bist. Wir stehen wieder auf dem Dach der Universität und halten uns an der Hand. Gemeinsam rennen wir auf den Abgrund zu, nur um kurz davor zu stoppen und anschließend die Stadt von oben zu betrachten. So war es immer mit dir, ein Spiel, ein Balanceakt, ohne das wir je geübt hätten das Gleichgewicht zu halten. Wozu auch? Wir wussten, wenn einer fällt würden sich unsere Hände dennoch niemals loslassen. Du liebtest das Risiko und ich liebte es, weil du es liebtest und weil es so schön war dich zwischen deinen Momenten der Traurigkeit glücklich zu sehen. Also liefen wir am Rand ohne den Schutz der Mauer im Rücken und immer war uns klar, irgendwann wird einer von uns fallen. Das es so schnell passiert, war zumindest mir nicht bewusst.

Du hast stundenlang auf deiner Gitarre gespielt ohne auch nur ein Wort mit mir zu sprechen. Viel lieber hast du mir vorgesungen, was ich wissen musste und ich habe mit Tränen in den Augen zugehört und deinen Schmerz in mir aufgenommen um ihn zu meinen werden zu lassen, nur damit du wieder leichter wirst. Du warst voll von diesen schmerzvollen Reimen und manchmal hätte ich dich gern gefragt, ob du nicht ein einziges Mal über etwas Positives singen könntest ; aber ich habe geschwiegen und ich wusste du warst dankbar dafür, auch wenn du es mir nie gesagt hast. Und immer während du deine Lieder gespielt hast, lief ich durch mein Gedankenlabyrinth auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, was wohl noch passieren wird, wenn nicht aufhört, was du dir selbst angetan hast, doch ich fand keinen Ausweg, weil du mich jedes Mal gerettet hast um mich mit ins nächste Abenteuer zu ziehen.

Wir tanzten auf Tischen, sind Nachts im Freibad eingebrochen und die Geräuschgewalt der Stadt biss uns zärtlich in die Ohren. Damals war uns klar, wir werden niemals alt und zumindest bei dir hat es funktioniert. Für mich hingegen ist irgendwann ein neuer Zeitabschnitt angebrochen, während du einfach dem Wind gefolgt bist, bin ich hier geblieben und von Jahr zu Jahr werde ich nun älter. Vielleicht hat unser Puls letztlich doch nicht im selben Takt geschlagen. Vielleicht war ich auch mutiger, weil ich mich nicht dem hingeben wollte, was uns zerstört hat. „Glaubst du wirklich, dass sich für mich je etwas ändern wird?“ „Ja“ habe ich aus voller Überzeugung zu dir gesagt und für dich war klar, dass diese Hoffnung den Unterschied zwischen uns ausmacht. Du sagtest immer, du wärst noch düsterer als diese Welt und dass dein Herz lediglich Melodien in sich trägt, die voller Trauer sind. Ich könne sie auf Dauer nicht ertragen hast du gesagt und das das Aufsuchen des unbekannten Ortes zu dem sowieso jeder irgendwann mal geht, nur für die schwer erscheint, die es hier leicht haben. Da mag was dran sein und doch empfand ich deinen Schritt nie als mutig. Otherside war dein Abschiedsgeschenk, weil du selbst Leb wohl nur mit Musik sagen konntest.

Und so haben wir uns aus unseren blinden Augen verloren! Für immer vielleicht, oder bis wir uns wiedersehen on the otherside!

Einsamkeit

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3 Comments

  • Reply Christine 11. Juli 2016 at 8:23

    Oh, der Text ging mir wirklich nah liebe Rebecca,

    total schön geschrieben und ich habe Gänsehaut! Manchmal sind es gewisse Erlebnisse, die wir nicht mehr aus dem Herzen lassen und das ist auch gut so. Ich wünsche dir, dass ihr euch „on the otherside“ wieder seht!

    Liebste Grüße

    Christine

    • Reply beccs@ruhrstyle 13. Juli 2016 at 6:01

      Ich danke dir liebe Christine.

  • Reply liebe was ist 4. Juli 2016 at 16:00

    was für wunderschöne Gedanken liebe Rebecca!
    ich bin z.B. ein totales Sensibelchen was Erinnerungen angeht – riechen, schmecken, sehen und natürlich auch über Musik. eigentlich ist das eine tolle Sache, wenn man Erinnerungen so abspeichert, aber manchmal kann daran natürlich auch Schmerz hängen. je weiter das Ereignis zurück liegt, desto leichter geht man damit aber um und so können selbst negative Erinnerungen etwas Gutes haben 🙂

    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/
    https://www.instagram.com/liebewasist/

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