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Keine Tränen bitte, du ambivalentes Herz!

7. Juni 2016

 Ambivalentes Herz

Ich stehe in dieser kleinen Bar und meine Augen sind geschlossen. Auf der Bühne, die eigentlich keine ist, sitzt ein Mann mit seiner Gitarre und singt eins seiner selbstgeschriebenen Lieder über den ewigen Verlust eines geliebten Menschen. Obwohl ich meine Augen fest zusammenkneife, kullert mir eine Träne die Wange herunter und kaum hat sie meine Mundwinkel erreicht, werde ich von der Seite angestubst und unsanft aus meinem Moment der Melancholie gerissen, der mich in keinster Weise traurig stimmte, sondern lediglich auf so liebevolle Weise mein Herz berührte.

Warum heulst du?“ Ich brauche einen Moment, bis ich es schaffe meinen Kopf zu drehen und schaue in das leicht blöd grinsende Gesicht eines Bekannten. „Ich heule nicht, sondern weine, weil mein Innerstes gerade so wunderbar sanft berührt wurde.“ Kopfschütteln, plus kleiner Lacher! „ Außerdem habe ich meine Tage und meine Hormone fahren gerade Achterbahn.“

Na das erklärt einiges hahahaha!

Ich Trotteline gebe mir in Gedanken einen Arschtritt für meine Entschuldigung, die im Grunde so unnötig war, wie Gurken in Plastikfolie. Die rote Welle ist mit Sicherheit nicht Schuld, sondern mein Herz, welches sich nur mal eben kurz alte Wunden lecken lassen wollte.

Generell ist mein Herz äußerst anfällig und durch einen anatomischen Fehler unmittelbar verknüpft mit meinen Tränendrüsen, die innerhalb von Sekunden eine Quelle im Berg, aber auch einen Tsunami auf der hohen See bilden können. Eine Zeitlang hatte ich meine Gefühle besser im Griff, denn immer wieder wurde mir zu mehr Verschlossenheit und weniger Herz auf der Zunge geraten. So lang und so eindringlich bis ich folgte und mein Haus, welches viel zu nah am Wasser gebaut war verließ, um eine neue Bleibe zu suchen. Immer besser wurde ich im vertuschen meiner Gefühle und zumindest sichtbar, konnte man mich nicht mehr verletzen, denn wie von selbst klebte sich ein Pflaster über blutende Wunden. Sobald ich meine vier Wände verließ, waren meine Augen trocken wie die Sahara und mein Herz eisig wie die Antarktis, zumindest schien es so, für die, die es so wahrnehmen sollten und wollten. Aus einem einst herzlichen Lachen wurde ein Mundwinkelzucken und aus einer Träne ein störendes Staubkorn. Ich war angekommen im Kreis der damaligen Coolen und nur daheim liefen die Tränen, immer dann, wenn ich die Pflaster abriss und das Eis ums Herz kurzzeitig schmolz, nur um sich beim nächsten Schritt aus der Tür wieder aufzubauen.

Die Ambivalenz meiner Person zerriss mich in zwei Teile, die sich gegenseitig bekämpften. Die eine Seite, die zurück wollte zu meinem wahren Ich, die Angst hatte vor dem Erfrierungstod und die andere Seite, die die Stärke genoss, die ich zeigte, wenn ich Gefühle nicht zuließ.

Mittlerweile weiß ich, dass ich damals nicht stark war, im Gegenteil, ich war so gar ein ziemlich schwaches Würstchen. Ich habe mich selbst verleugnet und bin fast erfroren. Mir wurde so kalt, dass ich mein Haus nicht mehr gern verlassen habe. Ich mochte die Geborgenheit unter der wärmenden Decke und befasste mich mit Büchern, Musik und Filmen. Immer mehr ließen auch die Anrufe der einst so guten Freunde nach, die meine Rehabilitierung nur mit einem erschreckenden Mundwinkelzucken wahrnahmen.

Heute weiß ich, dass es nicht schlimm ist Gefühle zu zeigen, nein, dass es so gar wichtig ist und das die Unterdrückung und/oder die Verleugnung der eigenen Herzeneinstellung auf Dauer unglücklich macht. Heute freue ich mich wieder darüber, wenn eine Träne über meine Wange rinnt, wenn ich fühle und weiß, dass ich Freude, Mitgefühl, Hoffnung, aber auch Trauer empfinden kann. All diese Emotionen sind menschlich und machen uns aus!

Natürlich habe ich immer noch ab und an Probleme meine anerzogene Coolness abzuschütteln, wie das oben genannte Beispiel zeigt. Ganz besonders dann, wenn ich irritiert bin, aber ich lerne weiter und wenn jetzt manchmal der Tsunami in mir losbricht, sehe ich es nur noch positiv: so kann der Körper auch entschlacken.

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4 Comments

  • Reply consulente immagine Elisa Negro AICI Milano bellezza Varese 21. Juli 2016 at 8:08

    Interestign and well done post!
    I love your blog.
    Thanks for posting.
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    Cheers

  • Reply Christine 10. Juni 2016 at 10:50

    Generell bin ich auch eher ein emotionaler Mensch und finde das nicht weiter schlimm. In den letzten Monaten war das teilweise aber etwas schwierig, da ich lange krank war. Mittlerweile ist es wieder besser und ich sehe das anders, aber damals habe ich mich auch ein bisschen zu sehr von außen beeinflussen lassen und dachte mir immer: komm, stell dich nicht so an. Nun sehe ich natürlich, dass das übermäßig emotionale, umso besser es mir körperlich ging, verschwunden ist..
    Und bin ich wieder normal emotional und lasse mich nur noch von Songs oder Filmen zum Weinen bringen… 😉

    Dankeschön für dein sehr liebes Lob und Kommentar zu meinen letzen Fotos!

  • Reply CHRISTINA KEY 7. Juni 2016 at 17:26

    Super berührender und auch lustiger Text!
    Was Musik angeht werde ich auch sehr schnell emotional! Gerade wenn man ein paar
    harte Schicksalschläge mit Liedern verbindet und diese dann ertönen, läuft es mir immer
    eiskalt den Rücken runter.

    Toll, wie ehrlich du bist! Ich muss jetzt mal öfter bei dir vorbei schauen! 🙂 -> Lesezeichen ist abgespeichert!
    Mach weiter so! ♥

    XX,

    Photography & Fashion Blog,

    http://www.ChristinaKey.com

    • Reply beccs@ruhrstyle 9. Juni 2016 at 11:54

      Sehr gerne, ich würde mich freuen.
      Ja, es ist schon Wahnsinn, was Musik in uns auslösen kann und wie wir diese mit bestimmten Situationen verknüpfen. Manchmal bin ich sehr überrascht, wie durch ein Lied eine Erinnerung wach wird, die längst vergessen schien.

      liebe Grüße
      Rebecca

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