Blog Leben

Die Geier die unser Leben retteten!

18. August 2016

Brand im Wohnmobil

Kurz bevor alles passierte, bogen wir von der großen Landstraße auf einen kleinen Feldweg ab, der zu einer Rinderfarm führte, in deren Nähe sich Geier auf Strohballen tummelten. Unbedingt wollte ich diese faszinierenden und seltenen Vögel fotografieren und wahrscheinlich haben uns diese Tiere das Leben gerettet. Wir waren bereits auf dem Rückweg zur Landstraße, als es passierte. Von einem Moment auf den anderen quoll Rauch aus den Lüftungsschlitzen und Ritzen des Amaturenbrettes hervor. Wir wollten noch schauen woher dieser kommen könnte, doch da stiegen bereits die Flammen empor und der vordere Teil unseres Mobils war vollständig am brennen. Wir packten die Kinder und die Hunde, sprangen aus dem Fahrzeug und rannten den Feldweg Richtung Eingang der Farm hinunter

Zum Glück war der Bauer vor Ort, denn ich hatte keine Ahnung wo wir uns genau befanden und konnte somit viel zu wenige Angaben für die Feuerwehr machen. Der Bauer übernahm das Gespräch, als wir einen lauten Knall hörten und sich die Flammen plötzlich in Richtung Kälbchen-Paddock ausbreiteten. Das Gebrüll der in Panik geratenen Herde war unerträglich und ohne nachzudenken bin ich losgerannt um die um ihr Leben schreienden Tiere zu befreien. Ich weiß nicht mehr den genauen Ablauf, aber ich habe es geschafft die kleinen Rinder zu befreien und zu einem anderen Paddock zu treiben. Es ist merkwürdig, aber ich glaube sie wussten, dass ich ihnen helfen wollte, denn sie folgten. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass auch keinem Tier etwas passiert ist.

Wir haben sehr viel Glück gehabt, denn wären wir weiter auf der Landstraße, vielleicht so gar auf der Autobahn gefahren…Ich möchte gar nicht darüber nachdenken.

Nun standen wir dort, die Kinder ohne Shirts und Schuhe, bei knapp über 10 Grad – denn es war bereits nach 21 Uhr – als auf einmal einige Autos den Feldweg entlang gefahren kamen. Der Farmbesitzer hatte wohl einige Bewohner des naheliegenden Ortes Larraga benachrichtigt, die uns nun mit Decken versorgten und den Kindern Schuhe mitbrachten. Sie brachten uns zu einem Hotel, in welchem bereits ein Zimmer für uns reserviert und hergerichtet war. Als wir dieses betraten, trauten wir unseren Augen nicht! Auf dem Bett ausgebreitet lag haufenweise Kleidung für uns alle, die einige Bewohner vorbeigebracht hatten. Außerdem luden uns die Besitzer des Hotels trotz der späten Stunde zum Essen ein, welches sogar zum größten Teil vegan war. Es war unglaublich und die Hilfsbereitschaft der Menschen aus dem kleinen Ort Larraga, geht weit über das für viele als normal geltende Maß hinaus. Nach wie vor laufen mir Tränen der Dankbarkeit über das Gesicht, wenn ich an diese wundervollen Menschen denke.

Am nächsten Tag und für die darauf folgenden zwei Tage kamen wir bei einer Familie unter, die uns zwei Zimmer in ihrem Haus zur Verfügung stellte. So gar das Auto durften wir benutzen um einige Besorgungen zu machen. An den Abenden wurden wir zum Essen mit den Dorfbewohnern eingeladen und auch tagsüber kamen immer wieder Leute zu uns, die sich erkundigen wollten, wie es uns geht. Ich würde gerne so viel über diese Menschen schreiben und doch fehlen mir die richtigen Worte um auszudrücken, was ich empfinde.

Wir haben an diesem Unglückstag viel verloren und beinahe auch unser Leben, aber ebenso viel haben wir gewonnen! Vor allem den Kontakt zu Menschen, die immer in unserem Herzen bleiben werden und die wir niemals vergessen werden. Sowieso steht fest, dass wir Larraga wieder besuchen werden.

Und ja, ein Traum den wir uns erfüllt hatten ist in Flammen aufgegangen und machmal habe ich das Gefühl, die Erfahrung lässt meine Träume nur allzu gern absichtlich im Stich, aber genau das ist auch der Grund, erst Recht zu ihnen zu stehen!

Ich möchte mich auch bei euch bedanken, für die lieben Worte über Facebook und via Mail. Es hat unheimlich gut getan diese zu lesen!

You Might Also Like

14 Comments

  • Reply Kea 23. August 2016 at 16:38

    Meine Liebe, ich lese das alles erst jetzt, war durch meine Knie OP einige Tage komplett offline – mein Gott, was habt ihr für einen tüchtigen Schutzengel! Ich bin ganz ergriffen, das müssen Eindrücke gewesen sein, die man nie vergisst. Ich hoffe, ihr könnt den Schrecken langsam verdauen und die wertvollen Momente der Mitmenschlichkeit und Fürsorge für euch mitnehmen. Ich bin froh, dass niemandem etwas zugestoßen ist. Fühl dich bitte ganz ganz lieb umarmt von mir! Kea

  • Reply CHRISTINA KEY 20. August 2016 at 10:52

    Wow, das ist so krass! Zum Glück ist EUCH nichts passiert! ♥
    „Gegenstände“ sind ersetzbar, aber Menschen nicht.
    Nochmal Glück im Unglück gehabt.

    Dass die ganzen Leuten euch dann geholfen und willkommen habe, ist einfach
    wunderschön! Ich hoffe, dass es euch wieder besser geht und ihr euch von diesem
    Szenario erholt habt. :/

    Habt ein schönes Wochenende! 🙂 ♥

  • Reply L♥ebe was ist 19. August 2016 at 14:48

    meine Liebe Rebecca,
    dieses Unglücks-Szenanrio möchte ich mir eigentlich nicht mal in meinen schlimmsten Träumen ausmalen müssen :/
    das klingt alles sehr dramatisch und ich kann nur verstehen, das man mit der Situation hilflos überfordert ist. aber dann ist die Hauptsache natürlich, dass euch nichts geschehen ist!

    ich kann aber auch genau verstehen, was du mit dem Glück im Unglück meinst. diese wertvolle Erfahrung von Menschen- und Nächstenliebe kann einem keiner mehr nehmen und sie prägt einen fürs Leben.
    mir ist das in Nepal ähnlich ergangen – nur ohne brennendes Auto! – als meine Begleitung und ich uns in den Vergen verliefen und nicht mehr „raus“ kamen und die Begleitung zu allem Überfluss auch noch magen-Darm bekam. wir dachte gegen Abend, das war’s. doch dann trafen wir auf einen Nepalesen, der zwar kein Wort Englisch sprach, aber uns mit Zeichensprache ohne gefragt zu haben sein Haus und Bett anbot!

    ich hoffe, dass ihr euch bald von den Strapazen erholt meine Liebe. bis dahin alles Gute und die liebsten Grüße,
    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/
    https://www.instagram.com/liebewasist/

    • Reply beccs@ruhrstyle 22. August 2016 at 6:46

      Hallo liebe Tina,

      solche Erfahrungen der Nächstenliebe, wie du sie ja auch schon machen durftest, prägen einen fürs Leben und geben einem unheimlich viel Kraft. Gott sei Dank hattet ihr auf eurer Reise auch so viel Glück und da sieht man mal wieder, wie belanglos die Sprache ist.

      Liebste Grüße
      Rebecca

  • Reply Jenni 19. August 2016 at 7:25

    Liebe Rebecca!

    Wahnsinn. Ein besseres Wort fällt mir nicht ein, das zu beschreiben.
    Wahnsinn, was passiert ist – in seiner Schrecklichkeit.
    Aber auch: Wahnsinn, was für nette und liebe und hilfsbereite Menschen ihr getroffen habt!
    Als du das über Facebook gepostet hattest – dieses schlimme Bild von dem ausgebrannten Wohnwagen -, habe ich wirklich Gänsehaut bekommen und mich danach immer wieder gefragt, wie es euch nun geht und was mit euch passiert ist.
    Dass ihr so schnell und so gut aufgenommen wurdet, erleichtert mich sehr und ich danke dir, dass du diese schönen menschlichen Erfahrungen mit uns geteilt hast.
    Ich hoffe sehr, dass der Schock nicht (mehr) allzu tief sitzt und ihr euch schon einigermaßen davon erholen konntet. Ein Wohnmobil kann man ersetzten (so schmerzahft es auch ist), unversehrtes Leben nicht.

    P.S.. Ich habe tiefen Respekt davor, dass du in dieser Notsituation reflexartig daran gedacht hast, die Tiere zu befreien. Ich weiß nicht, ob ich so schnell hätte reagieren können. Supermutig und superklasse von dir!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Reply beccs@ruhrstyle 22. August 2016 at 6:41

      Liebe Jenni,

      ich danke dir für deine wunderbaren lieben Worte.Bei den Kindern sitzt der Schock noch recht tief und es wird wahrscheinlich auch noch eine Weile dauern, bis sie das ganze überwunden haben, aber ich denke, dass ist ganz normal. Ich glaube noch schlimmer wäre es, wenn den Kühen und Kälbchen etwas passiert wäre, denn davor hatten die Kinder furchtbare Angst. Bei uns geht es mittlerweile, da wir ja von der Versicherung auch ordentlich auf Trap gehalten werden und diese offenbar große Lust haben, uns die letzten Nerven zu rauben.

      Liebste Grüße
      Rebecca

  • Reply dorette 18. August 2016 at 14:43

    oh, das klingt nach einem abenteuer auf das man verzichten kann. mir kamen eben die tränen, wegen all der netten gesten und gaben die euch widerfahren sind in dieser situation. gut, dass es solche menschen gibt. alles gute für euch!

  • Reply *thea 18. August 2016 at 11:45

    Liebe Rebecca, das liest sich wie in einem Film – ihr habt es erlebt und du hast das Schlimme aber auch das Schöne an der Geschichte schön beschrieben. Es tut mir sehr leid, dass euer Wagen und Traum in Flammen aufgegangen ist – aber die Geschichte über Hilfsbereitschaft und Reisebegegnungen durftet ihr auch erleben. Und jetzt drücke ich die Daumen fürs zu Hause ankommen. Liebe Grüße *thea

    • Reply beccs@ruhrstyle 22. August 2016 at 6:33

      Liebe Thea,

      mittlerweile sind wir wieder daheim und kommen so langsam in den Alltag zurück. Leider werden wir aber auch mit der nicht so menschlichen Versicherung konfrontiert, bei der die Menschen anscheinend das genaue Gegenteil von denen in Larraga sind.

      Liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Steffi 18. August 2016 at 11:07

    Da kommen selbst mir die Tränen beim lesen obwohl ich nicht dabei war. Gott sei dank ist keinen von euch was passiert. Man sieht wieder mal das die Welt doch nicht nur aus schlechten Menschen besteht.

    Alles Gute weiterhin
    Steffi

    • Reply beccs@ruhrstyle 22. August 2016 at 6:30

      Liebe Steffi,

      vielen Dank für deine lieben Worte und ja, du hast recht, es gibt auch viele gute Menschen auf dieser Welt.

      Liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply WIESOeigentlichnicht 18. August 2016 at 10:01

    Hallo Rebecca,
    ich war gerade ganz geschockt und hab Gänsehaut bekommen.Zum Glück ist euch nichts passiert und ihr konntet euch noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Mit so etwas rechnet man auch nicht. Die Feuer konnte sicherlich nicht mehr feststellen was da genau passiert ist. Die Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit von manchen Menschen kann man einfach nicht in Worte fassen. ❤ Ich wünschte mir so oft das mehr Menschen darin ihre Stärke finden würden. Kommt wieder heil nach Hause.

    Lieben Gruß
    Heike

    • Reply beccs@ruhrstyle 22. August 2016 at 6:29

      Liebe Heike,

      es konnte festgestellt werden, dass das Feuer durch einen Kabelbrand ausgelöst wurde und das wir wirklich enormes Glück gehabt haben.
      Du hast absolut recht und wie oben bereits beschrieben, fehlen mir die richtgen Worte um zu beschreiben, was ich fühle, wenn ich an diese wundervollen Menschen denke. Auf jeden Fall und so schlimm die ganze Situation und nun die Nachwirkungen auch sind, haben wir ebenso etwas mitnehmen können, was wir vielleicht irgendwann auch mal weitergeben können.

      Ganz liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Sue 18. August 2016 at 9:54

    Heftig, was ihr da durchmachen musstet! Nur gut, dass keinem ernsthaft was passiert ist. Die Reaktion der Einheimischen ist wirklich wunderbar, schön wie herzlich ihr da aufgenommen und unterstützt wurdet!

  • Leave a Reply

    Top