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Erwachsensein

7. Februar 2016

vom Erwachsensein

In meiner Jugend habe ich ausgeleierte Kassettenbänder mit Stiften wieder aufgezogen. Ich bin auf Bäume geklettert wie ein Äffchen und Rad gefahren, obwohl ich keinen Helm hatte. Meine Eltern haben mit mir Urlaub auf dem Bauernhof gemacht und Gummistiefel waren eine Weile meine Lieblingsschuhe… Naja gut, ich mag Gummistiefel immer noch, aber vieles hat sich mit den Jahren einfach schleichend verändert oder vielleicht auch verabschiedet. Gibt es eigentlich noch Kassetten?

Altbekanntes wurde einfach abgelöst von Neuem und mit diesem ganzen wie wird es doch noch gleich genannt – ach ja, Fortschritt – ist die Generation aus der ich komme erwachsen geworden. Mit allem, was sich verändert hat, haben auch wir uns verändert. Wir wickeln zum Beispiel keine Schnur mehr um unsere Finger während wir telefonieren und Haarreifen lassen wir mittlerweile auch lieber weg – also ich zumindest. Aber hmm, was ich eigentlich mitteilen möchte ist, dass mir diese Zeit, in der alles so unbeschwert war, manchmal fehlt.

Ich genieße es zwar, meine eigenen Brötchen zu backen, obwohl ich immer wieder das Einritzen in der Mitte vergesse und ich mag auch meine eigenen vier Wände in denen auch heute noch ein Kurt Cobain Bild an der Wand hängt, aber manchmal mag ich die Verantwortung nicht, die ab einem bestimmten Zeitpunkt auf uns allen lastet. Die Verantwortung ein verantwortungsvoller Erwachsener zu sein. Zumal dieser Begriff ja in unserer Gesellschaft nicht frei definierbar ist, sondern eher gewissen, wenn auch nicht festgeschriebenen Regeln unterliegt. Und sollte man diese brechen, dann kann das durchaus zu bösen Seitenblicken führen und plötzlich steht man gekleidet im durchsichtigen Kleid im Spotlight der verantwortungsvollen Erwachsenen.

Doch was ist der Auslöser dafür, das Mütter lieber auf der Bank am Rand des Spielplatzes sitzen, als auf der Schaukel neben ihrem Kind? Wer entscheidet, dass man ab einem gewissen Alter am besten nur noch Chino Hosen trägt? Warum ist man für Festival Besuche plötzlich zu alt, obwohl der alte Jagger immer noch auf der Bühne rumhampelt?

Es ist nicht verkehrt manchmal auszubrechen, eine Runde schaukeln zu gehen und mit den Füßen die Wolken zu berühren. Wir dürfen auch immer noch die Nächte durchmachen oder auf Festivals in der Matsche abrocken.  Wer will uns das verbieten? Erwachsein muss nicht bedeuten, dass wir alles verlernen, was uns in den letzten 20 oder 30 Jahren Spaß und Freude bereitet hat…

Also streichen wir doch einfach mal diesen adultistischen Klischeesatz „so ist das nun mal wenn man erwachsen ist,“ aus unserem Wortschatz und nutzen die Chance die uns das Erwachsensein bietet, nämlich das zu tun, was wir wollen und was uns glücklich macht. Und genau das ist zumindest meine Interpretation von verantwortungsvoll.

glücklich sein

 

 

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8 Comments

  • Reply fairlockend 11. Februar 2016 at 14:39

    Du wirst lachen, aber genau dasselbe habe ich mir vor ein paar Tagen auf dem Spielplatz gedacht. Ich sass neben meiner Tochter auf der Wiese, während alle anderen Mütter oder Väter standen oder auf den Bänken warteten. Ich hätte am liebsten mit den älteren Kindern mitgespielt, als eines der Mädchen zu mir kam und fragte, ob das neben mir meine Schwester sei. Es lag sicher auch an meinem jungen Aussehen, aber auch daran, dass ich eben nicht „ganz normal“ abseits vom Geschehen mein Kind beaufsichtigte, sondern selber dreckige Hosen von der Wiese hatte.
    Als ich meinte, es sei meine Tochter, siezte sie mich gleich und lief wieder weg. Das war ihr dann wohl doch nicht geheuer. 😀
    Schade! Ich habe mir definitiv vorgenommen, mit meinen Kindern, wenn sie ein paar Jahre alt sind, ab und zu so zu spielen wie früher – als wäre auch ich noch ein Kind.

    • Reply beccs@ruhrstyle 14. Februar 2016 at 9:09

      Ich finde sehr schön, dass du auch zu den Müttern gehörst, die am Leben der Kinder teilnehmen möchten. Die Tage habe ich von einer Mutter eine Beschwerde darüber gehört, dass ihr Kind nur vor der Spielekonsole sitzt. Ich fragte sie wie das sein kann, weil ja letzlich sie die Entscheidung trifft. Die Antwort war wirklich traurig…Sie erklärte mir, dass sie halt nicht die ganze ZEit aufpassen könne, was der Kleine spielt, weil sie ja auch noch anderes zu tun hat.

  • Reply dorette 10. Februar 2016 at 16:43

    schön gesagt. ich mag das auch nicht, das erwachsensein, also manches mag ich davon nicht. das alleinewohnen ist schon toll. aber das rechnungen bezahlen, arbeiten und das erledigen von dingen, das nervt! 😉

    als ich das letzte mal schaukeln war – irgendwann im herbst – da habe ich mal wieder gemerkt, dass ich einfach nicht mehr den magen fürs schaukeln habe. ich darf bloß nicht zu hoch schaukeln, sonst wird mir übel… 😀

    und ja, ich hab noch ein paar kassetten, aber ja es sind erinnerungsstücke an die kindheit…

    • Reply beccs@ruhrstyle 11. Februar 2016 at 8:10

      Hahahaha stimmt, mein Magen hat sich mit den Jahren auch verändert. Schaukeln geht noch sehr gut, aber alles was sich dreht, ist nicht mehr min Fall. 🙂

  • Reply Christine 10. Februar 2016 at 12:02

    Ein schöner und nachdenklicher Post.
    Ganz selten vermisse ich noch ein wenig die Unbeschwertheit aus Schultagen. Wenn eben alles ganz fest geregelt war und es keine Überraschungen gab. Aber dann fällt mir doch immer wieder ein, das sich damals auch nicht wirklich gern dahin gegangen bin und schon bin ich wieder ganz froh, dass ich zumindest dieses Alter wirklich schon hinter mir habe.

    Mal schauen, wie ich in ein paar Jahren dann über die Phase jetzt denken werde.

    • Reply beccs@ruhrstyle 11. Februar 2016 at 8:07

      Ja, ich glaube auf die Schultage können einige getrost verzichten. Obwohl das ja auch so ziemlich die einzige Verpflichtung ist, die man als Kind hat. Mir fehlt bei vielen Erwachsenen einfach diese Unbeschwertheit und eine gewisse Coolness.

      liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Kea 7. Februar 2016 at 19:04

    Ach meine Liebe, wie recht du hast! Und in was für schöne Worte du es gepackt hast! Besonders der Satz „Es ist nicht verkehrt manchmal auszubrechen, eine Runde schaukeln zu gehen und mit den Füßen die Wolken zu berühren.“ ist so voller Poesie, dass er mich gleich aus den Socken haut! Danke für diesen sehr zarten und trotzdem so starken Artikel zum Wochenendausklang! Komm gut in deine neue Woche und genieße die nicht-ganz-so-„erwachsenen“-Momente! Einen festen Drücker!

    • Reply beccs@ruhrstyle 8. Februar 2016 at 15:53

      Hallo Hallo liebe Kea,

      ich freue mich immer sehr, wenn dir meine Beiträge gefallen und du hier deine lieben Kommentare hinterlässt. <3 Im Moment muss ich leider so viel Erwachsenen-Kram erledigen, dass ich wahrscheinlich, wenn allles erledigt ist, im Sandkasten mit Eimer und Förmchen spielen gehe 🙂
      Ich wünsche dir auch eine wundervolle Woche…
      Fester Drücker zurück!

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