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Ein bisschen Batman, oder einfach nur mehr Zivilcourage

3. Februar 2017

Moseley nahm sein Jagdmesser und stach mitten auf der Straße auf Catherine ein. Sie schrie um Hilfe und in vielen Häusern ging das Licht an. Einige erzählten nach der Tat, dass sie den Täter sehen konnten. Als Moseley befragt wurde, wieso er diesen abscheulichen Mord mitten auf der Straße beging antwortete er völlig entspannt: „Ich wusste, dass die Leute nicht eingreifen werden, dass machen die nie.“ Er lies Catherine Genovese so gar liegen, verschwand dann für ein Weilchen, kam dann zurück um weiter auf sie einzustechen und um sie letztlich auch noch zu vergewaltigen. Niemand ist ihr zur Hilfe gekommen und so starb sie gehört aber unbeachtet am 13. März 1964 in New York City.

Merkwürdig nicht wahr? Da ziehen wir uns Blockbuster über Batman, Wonder Woman und Co rein, träumen oft schon im Kindesalter davon mal ein großer Held bzw. eine große Heldin zu werden und dann, wenn sich die Gelegenheit bietet, bleiben wir lieber neugierig erregt, aber gut geschützt hinter unseren Schlaufenschals verborgen. Auch Forscher behaupten, dass es bezüglich unserer Zivilcourage echt bescheiden aussieht. Dieses Defizit nennt man übrigens seit dem damaligen Mordfall: das Genovese-Syndrom.

Interessant ist auch, dass etliche Experimente ergeben haben, dass viele Menschen unter dem Bystander effect leiden. Bedeutet: Je mehr Menschen eine -zum Beispiel- kriminelle Tat beobachten, desto unwahrscheinlicher ist es, dass jemand eingreift. Traurig! Aber in der Menge denkt jeder Einzelne, der Andere wird sich schon kümmern. Außerdem haben wir Angst, die Situation falsch einzuschätzen und uns möglicher Weise zum Affen zu machen. Für viele Menschen ist nämlich tatsächlich nichts schlimmer, als sich rotköpfig zu blamieren.

Das Problem ist, dass genau diese Hemmungen, bzw. diese Denkweise verhindert, dass wir zu Wonder Woman oder Batman werden können.

Dabei ist es laut Sozialpsychologen ganz einfach. Wir müssen nur bestimmte Instinkte überwinden und dann kann`s mit wehendem Umhang losgehen. Zum einen sei da unsere Harmoniesucht und unser Herdentier Verhalten. Die meisten wollen in einer Gruppe nicht negativ auffallen, da die Gefahr des Ausschlusses und ebenso die Gefahr selbst zum Opfer zu werden recht groß ist. Eine große Herde schützt sich schließlich gegenseitig und sich zu weit zu entfernen, ist ein waghalsiger Schritt und erfordert einiges an Mut. Aus diesem Grund halten sich viele trotz sichtbarer Ungerechtigkeit zurück, sofern die Mehrheit sich dazu entschlossen hat.

Nun muss natürlich auch nicht jeder Mensch einen großen Helden darstellen um Zivilcourage zu zeigen und Superkräfte haben wir ja leider auch keine zur Verfügung. Wir können aber dennoch heldenhaft agieren und dafür so gar den Leggins-Anzug und die Masken weglassen! Im Grunde würde es doch nämlich schon reichen, wenn wir in dem Moment, wo wir merken hier läuft gerade etwas falsch, einfach mal aufstehen und laut „dagegen“ rufen, auch wenn die Mehrheit warum auch immer, dafür ist. In manchen Situationen kann auch unsere helfende Hand, kleine Heldentaten vollbringen und selbst so etwas simples wie ein aufmunterndes Lächeln, kann manchen Menschen den Tag retten.

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1 Comment

  • Reply Christine 7. Februar 2017 at 9:16

    Den Bystander Effect habe ich schon mal selbst erleben dürfen. Mein Papa war dann der einzige, der eingegriffen hat, als eine Betrunkene auf einem Parkplatz (von einer ganzen Truppe rauchender Angestellter beobachtet) immer wieder gegen Autos gefahren und dann sogar auf die Straße wollte. Total zugedröhnt… Fand es echt erschreckend wie das ablief! Das war ja noch vergleichsweise harmlos, da ja zumindest keine Person zu schaden kam… Aber wir sind nur zufällig vorbei gekommen und haben auch nur zufällig bemerkt, dass da was nicht mit rechten Dingen zugeht. Während die anderen wirklich da standen und die ganze Szene beobachtet haben…

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