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Die Burka polarisiert Deutschland

26. August 2016

Burka Verbot

Momentan polarisiert in Deutschland wohl kein Thema so sehr wie das Burka-Verbot. Überall ist diese Thema eine Diskussion wert, ob bei Politikern oder bei Familie Hunz und Kunz. Mittlerweile haben sich 81% der Deutschen für ein Burka Verbot ausgesprochen. Ich verstehe, dass uns diese Verschleierung fremd ist, dass wir nicht verstehen, wieso eine Frau dazu bereit ist und ich gebe zu, auch ich könnte mir nicht vorstellen in einer Burka herumzulaufen. Dennoch frage ich mich, haben wir das recht, diese zu verbieten und viel mehr noch stellt sich mir die Frage, warum wir so eine Abneigung gegen dieses Gewand empfinden.

Seit Jahren hören wir hier im Westen immer wieder davon, dass muslimische Frauen unterdrückt werden, dass viele gezwungen werden ein Kopftuch oder in unseren Augen noch schlimmer, eine Burka oder eine Niquab zu tragen und ich möchte mir auch nicht das Recht herausnehmen und abstreiten, dass es in manchen Fällen der Wahrheit entspricht. Diesbezüglich habe ich mich auch mit einigen muslimischen Frauen unterhalten, die ebenfalls zugeben, dass es schon ab und an dazu kommt, das Frauen von ihrer Familie oder ihrem Mann zu diesem Gewand genötigt werden, es aber auch sehr viele gibt, die sich freiwillig zur Verschleierung entscheiden; nun mal ganz abgesehen von den Ländern wo eine Verschleierung Pflicht ist.

Wir jedenfalls haben uns unser Bild gefertigt! Für uns bedeutet eine Burka Unterdrückung der Frau, denn es liegt-vielleicht auch durch medialen Einfluss-nicht in unserer Vorstellungskraft, dass eine Frau tatsächlich freiwillig dazu bereit ist, sich komplett zu verhüllen. Beteuert eine Muslimin das Gegenteil, zweifeln wir an ihrer Glaubwürdigkeit und auch ich muss zugeben, dass ich wenn ich denn Mal eine Frau in Burka sehe, mit meinen Gedanken kämpfe, da diese mir automatisch und ohne das ich es möchte die Frage aufzwingen: Macht sie dies nun wirklich aus freien Stücken?

Es passt einfach nicht in unser Bild der selbstbestimmten Frau und nur allzu gern wird angenommen, wir müssten die muslimischen Frauen von dieser „Unterdrückung“ befreien. Doch ist diese Annahme nicht im Grunde äußerst anmaßend? Ist es nicht respektlos einen Menschen lediglich aufgrund dieses Gewands zu beurteilen? Vielleicht müssen wir uns bewusst machen, dass unsere oft nicht gerade positive Einstellung gegenüber der Burka lediglich auf unserer eigenen Wahrnehmung bzw. unserem Weltbild basiert! Wir können es uns nicht vorstellen, also kann dies auch keine andere Frau oder wie, oder was?

Machen wir uns doch einmal kurz bewusst, wie viele nicht muslimische Frauen zum Beispiel hierzulande unterdrückt werden, oder Opfer häuslicher Gewalt sind! Wie viele Gedanken machen wir uns um diese weiblichen Wesen?

Nun gut, nun scheint es in der ganzen Debatte nicht nur um Unterdrückung und Frauenrechte zu gehen, sondern ebenso darum, dass die Mimik für uns einen zentralen Aspekt der Kommunikation darstellt. Diese ist jedoch bei einer Frau in Burka nicht erkennbar und somit fehlt auch die Möglichkeit, ihre Emotionen festzustellen bzw. zu deuten. Ich persönlich frage mich ja, ob es überhaupt notwendig ist jeden Menschen zu analysieren und einzuschätzen. Hätte das nicht irgendwie etwas mit Kontrollwahn zu tun? Ich nehme ja auch nicht bei jedem Gespräch im Biergarten meine Sonnenbrille ab, die meist riesig ist, nur damit mein Gegenüber mich besser analysieren kann. Bis jetzt hat das aber niemanden gestört! Vielleicht aus dem Grunde, dass mit mir niemand folgende Punkte in Verbindung bringt: Islamisierung und Terrorismus. Fast täglich werden in den Medien Ängste geschürt und natürlich ist Terror ein weltweites Thema, welches nicht unter den Tisch gekehrt werden darf! Allerdings darf die Fähigkeit zu differenzieren ebenso wenig verloren gehen. So scheint es in dem ganzen Theater auch nicht wirklich um die Frauen an sich zu gehen! Es heißt in etlichen Artikeln oder Videos: Wir haben Angst vor dem Islam, wir empfinden eine Burka als Unterdrückung, wir wollen die deutsche Kultur behalten usw. Um was geht es also wirklich?

Als ich tiefgründiger über all dies nachdachte, kam in mir irgendwie der üble Gedanke auf, dass wir von hinzugezogenen oder eher gesagt andersgläubigen automatisch die volle Anpassung erwarten. Und ich meine damit nicht die Anpassung an deutsche Gesetze! Es scheint mir fast so zu sein, dass unsere Erwartungen an Integration gleichbedeutend damit sind, das Menschen ihre Kultur am besten aufgeben und somit im Endeffekt nur eines passiert: Fremde bleiben immer Fremde!

Die Band Tocotronic, die im großen Rahmen Pro Asyl unterstützt, singt so wunderbar ehrlich und traurig: Er sagt ich bin hier nur Tourist, ich bin nicht integriert! Das Dasein das ich friste, hat ein anderer inszeniert.

Versuchen wir vielleicht genau das? Ein Leben für Menschen zu inszenieren, weil uns ihre Kultur nun mal so furchtbar fremd ist?

Meine eigene Meinung dazu: Ich bin gegen ein Burka-Verbot, denn wir können nicht entscheiden, welche Frau diese freiwillig trägt oder nicht.

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6 Comments

  • Reply Dunja 12. September 2016 at 13:21

    Hey Rebecca,

    toll, dass du deine Meinung so vertrittst und alle Seiten der Diskussion so beleuchtest.
    Mir fallen diese ganzen Themen so schwer, weil ich manchmal denke „es ist mir egal“. Das hört sich erst mal total egoistisch und vielleicht sehr klein denkend an, so mein ich das aber gar nicht. Ich bilde mir einfach keine Meinung über Menschen, wenn ich sie nicht kenne. Ob die Frau neben mir Burka, Lange Hose, Rock oder Bikini trägt ist ja nicht mein Problem und es geht mich auch nichts an. Daher stimme ich dir zu, man sollte die Burka nicht gesetzlich verbieten. Sicherheitstechnisch denke ich aber, sollten Veranstalter zB. in einem Sportstadion sagen dürfen, dass dort keine Burkas erlaubt sind. Nicht wegen der Religion oder dem Menschen an sich sondern einfach vom Aspekt der Kontrolle her. Bei vielen Einlasskontrollen muss man (wenn es richtig gemacht wird) seine Jacke ausziehen und den Inhalt seiner Tasche zeigen. Das ist mit einer Burka einfach schwieriger..

    Liebe Grüße, Dunja

    • Reply beccs@ruhrstyle 17. September 2016 at 14:25

      Hallo Dunja,

      vielen Dank für deinen tollen Kommentar. Bezüglich der Sicherheit habe ich mir auch schon GEdanken gemacht und ich denke, dass die Frauen dann wiederum damit leben müssten, wenn nicht alle Veranstaltungen Burkas gestatten. So wie ich halt akzeptieren muss, dass ich mir in Moscheen ein Kopftuch aufsetze und die Schuhe ausziehe.

      Liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply CHRISTINA KEY 30. August 2016 at 14:32

    Ein sehr schwieriges Thema.
    Ich finde ein Verbot wirklich nicht schlecht. Ich bin absolut kein Nazi aber in irgendeiner Art und Weise haben
    wir hier nunmal auch unsere Normen, wie andere Länder eben auch.

    Wenn ich in arabischen Ländern Urlaub mache, kann ich z.B ja auch nicht so freizügig
    rumlaufen, wie hier. Deswegen finde ich es irgendwie gerechtfertigt.

    Im großen und ganzen wünsche ich mir einfach eine Welt, in der man überall anziehen kann, was
    man möchte, ganz egal in welchem Land man sich befindet. Das wird wegen der Religion jedoch
    niemals wahr werden. :/

    XX,

    http://www.CHRISTINAKEY.com

  • Reply Kea 29. August 2016 at 9:57

    Ein interessanter Artikel, meine Liebe! Spannendes Thema und ich kann mich deiner Meinung nicht ganz anschließen, bin gleichzeitig aber auch nicht für ein Verbot, denn wie Jasmin schon schreibt, glaube ich, dass ein Verbot, das von oben aufoktroyiert wird, nur in den seltensten Fällen auch zu einem Umdenken in den Köpfen führt (ähnlich wie bei der Diskussion um die Frauenquote). Früher dachte ich auch, jeder soll doch leben, wie er möchte, mich persönlich stört weder der Anblick von Kopftuch noch der einer Burka. Aber mit der Zeit habe ich mich damit auseinandergesetzt, was eine Burka oder ein Kopftuch eigentlich bedeuten und mittlerweile halte ich die Burka durchaus für ein Symbol weiblicher Unterdrückung oder eher mangelnder männlicher Bereitschaft, sich zu beherrschen. Ich finde nämlich, dass sowohl das Männerbild, als auch das Frauenbild beim Thema Burka in keinem allzu guten Licht stehen. Die Burka soll vor zu aufdringlichen Männern schützen, was sagt das über eine Gesellschaft? Ursprünglich war es also ein Versuch, von oben herab ein Gebot zu erlassen, das die Frauen schützen soll – aber nicht, in dem die Männer lernen, umzudenken, sondern indem die Frauen sich verschleiern, um keine Reize in die Welt zu senden. Für mich ist das das Kernproblem. Und das wird auch ein Burka-Verbot nicht lösen – hier müssen jahrhundertelang erlernte Denkstrukturen einer ganzen Kultur Stück für Stück verändert werden. Nicht, weil die westliche Kultur die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte, sondern weil ich mir eine Welt wünsche, in der es egal ist, wie eine Frau gekleidet ist – sie wird nicht belästigt. Punkt. Das hat für mich auch überhaupt nichts mit Religion zu tun, denn der Islam ist nicht gleichbedeutend mit Kopftuch oder Burka.
    Emel Zeynelabidin erzählt in diesem sehr lesenswerten Interview, warum sie nach 33 Jahren ihr Kopftuch abgelegt hat: http://www.annabelle.ch/leben/gesellschaft/kopftuch-weg-muslimin-emel-zeynelabidin-legte-den-hijab-ab-31268 Für mich sehr aufschlußreich. Liebe Grüße, Kea

    • Reply beccs@ruhrstyle 29. August 2016 at 10:31

      Liebe Kea,

      du kannst mir glauben, die Welt die du dir wünschst, wünsche ich mir auch von ganzem Herzen! Der Hintergrund bzw. Sinn einer Burka ist mir auch durchaus bewusst und ich finde es ebenso traurig wie du, dass manche Frauen diesen als Anlass sehen, dieses Gewand zu tragen. Allerdings denke ich auch, dass sollte eine Frau selbst die Entscheidung für dieses Gewand treffen, diese auch akzeptiert werden muss, ob wir das nun verstehen oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Viele muslimische Frauen verstehen schließlich auch in keinster Weise, wieso wir Gürtel als Miniröcke tragen. 🙂 Ich finde die Worte von Mely Kiyak ganz interessant die dazu folgendes sagt:“muss der Kampf um Freiheit nicht immer angeführt werden von denjenigen, um die es geht? Emanzipation ist ein Vorgang des Sich-selbst-Befreiens. Und des Suchens nach Verbündeten. Diese Emanzipation geschieht ja übrigens auch. Im Iran, in der Türkei, ja sogar in Saudi-Arabien. Der Feminismus ist keine Erfindung der Deutschen. Der Widerstand der Frauen gegenüber tradierten Formen von Familie, Sexualität, Erziehung und Partnerschaft findet selbstverständlich auch innerhalb der Migrantencommunitys statt. Immer schon.
      Das Ringen um die Anerkennen eigener Bedürfnisse geschieht allerdings an zwei Fronten. Einerseits in den Familien, mit denen man neue Regeln bezüglich der Abnabelung von Traditionen verhandelt. Und gleichzeitig in Distanzierung zur sogenannten Mehrheitsgesellschaft. Es ist ein Suchen nach dem, was man selbst will, und nicht was einem die Medienöffentlichkeit weismachen will, wonach es als unterdrückte, vom Patriarchat geknebelte Frau zu streben gelte.“

      Ganz liebe Grüße
      Rebecca

  • Reply Jasmin 27. August 2016 at 13:03

    Liebe Rebecca,
    ich finde es echt toll, dass du hier so deutlich Stellung beziehst. Ich bin auch der Meinung, dass jeder so rumlaufen soll, wie er es will, gewohnt ist oder wie auch immer. Ich persönlich finde, dass Integration woanders anfängt und nicht dort, wie sich jemand kleidet. Auch das Thema „Sicherheit“ als Argument für ein Burka-Verbot finde ich nicht sonderlich geglückt. Wenn jemand einen Überfall oder Amoklauf geplant hat, dann kann er das rein theoretisch auch im Bikini machen 😀 Und bzgl. der „Identitätsfrage“ kann man die betroffenen Burkaträgerinnen ja in einen Raum bitten, wo sie einer Frau ihr Gesicht zeigen müssen, z.B. wenn es um wichtige Bankgeschäfte geht, wo die Identität einfach Voraussetzung ist. Ich bin sowieso ein Mensch, der gerne gemeinsam mit den Betroffenen Personen einen Mittelweg findet. Strikte Verbote bringen in meinen Augen oft mehr Probleme mit sich als dass sie welche lösen.
    Liebe Grüße
    Jasmin

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