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Das schlimmste am Mutter sein, sind andere Mütter.

11. Mai 2016

Mutter sein

Mutter sein ist wirklich toll und ich genieße jeden Tag die innige Zuneigung, die mir geschenkt wird. Alles ist großartig und so soll es auch bleiben, aber eine Sache gibt es, die regelmäßig dazu führt, dass mir Kotzebrocken im Hals stecken bleiben: andere Mütter! Mütter, die meinen alles besser zu wissen und die sich Nächte um die Ohren schlagen um aus irgendwelchen Ratgebern die besten Tipps herauszuziehen. Diese Tipps verbreiten sie dann so lange ungefragt in der Welt, bis der nächste Ratgeber auf dem Nachttisch Einzug hält und die einst so guten Tipps veraltet sind.  Mein Gott, ich will sie einfach nicht hören. Ich finde mich als Mutti ziemlich cool und bis jetzt fahre ich mit meinen Methoden, so glaube ich ganz jut.

Da sitze ich die Tage auf dem Spielplatz mit meiner heiß geliebten Fritz Kola inklusive Glasstrohhalm und freue mich über die wunderbar warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut.  Mein 9-jähriger Sohnemann kommt hechelnd angerannt und ich, drücke ein Äuglein zu und lasse ihn tatsächlich einen wirklich klitzekleinen Schluck probieren. Neben mir hat sich eine Bekannte breit gemacht, die ich bedauerlicherweise immer wieder dort antreffe und die sich, wenn ich sie treffe, auch immer eingeladen fühlt, neben mir zu verweilen. Wobei es natürlich eigentlich toll ist, dass sie da ist,  weil sie offensichtlich auch viel mit ihren Kindern vor die Tür geht-nur muss sie sich ja nicht immer neben mir platzieren. Wie auch immer, abschätzend beobachtet sie meinen Sohnemann, wie er voller Freude am Strohhalm nuckelt und wartet mit ihrer Zurechtweisung wenigstens ab, bis er wieder am Klettergerüst rumturnt. Aber dann kommt s: „Hör mal, ich will mich ja nicht einmischen, aber Kola ist mit Sicherheit nicht gesund für Kinder. Verdammte Hacke, dann misch dich auch nicht ein denke ich mir, aber ich bleibe vorerst freundlich. „Nein da hast du recht, aber ich bin mir sicher, dass kleine Schlückchen wird ihn nicht umbringen; schau, er klettert immer noch quietschvergnügt wie ein Äffchen herum.“ „Na ja, auch in so einem kleinen Schluck ist einiges an Zucker!“ „Jap und Mc Donalds, wo ihr ja öfters mal speist, ist mit Sicherheit um einiges schlimmer.“ Zack, jetzt habe ich ihr aber eine  verpasst denke ich und hoffe auf Ruhe. Pustekuchen! Ich darf mir nun etwas über Salat auf Burgern anhören und das es bei MCces ja auch Hohes C gibt. An jenem Tag fehlte mir echt die Kraft für so sinnfreie Diskussionen und ich nahm einfach meine Decke und legte mich woanders hin. Ja ich weiß, das war unhöflich.

Was ist eigentlich los mit Müttern? Wo versteckt sich die Solidargemeinschaft und was ist das überhaupt für eine Philosophie, die Müttern erlaubt ständig ungefragt ihre eigenen Erziehungsmethoden mitzuteilen und diese als das Non Plus Ultra anzusehen?  Fakt ist es gibt so kleine Wolfsrudel-Gruppierungen in denen Mütter in inniger Gemeinschaft miteinander harmonieren, aber innerhalb dieser Gruppe sind auch immer alle einer Meinung. Es herrscht eine Hierarchie, von Ober-Supermutti-Wolf bis hin zu Neu-Mama-Wölfchen, die von den Großen lernt und dankbar ist für jeden noch so bescheuerten Tipp. Ich habe es mal geschafft kurzweilig, also in etwa so für eine Stunde während dem Fußballspiel meines Sohnes, Teil so einer Gruppe zu sein. Nur habe ich dann den fatalen Fehler gemacht, mitzuteilen, dass ich Babyschwimmen scheiße finde, weil mir das Wasser zu kühl ist und Vorbereitungskurse a la wie presse ich richtig dazu führen, dass ich tagelang einen Lachflash habe. Aus der Traum von der Gemeinschaft. Aggressiv wie Clorbleiche hatte man mich nach nur einer Stunde verbannt.

Ein weiterer Fakt ist, ich bin einfach keine Supermutti. Ich habe noch nie auf den Boden gefallene Schnuller abgelutscht und sie dem Kind wieder in den Mund gestopft. Ich reibe meinen Jungs auch nicht mit Spucke den Dreck aus dem Gesicht, denn das finde ich widerlich. Sakrotan habe ich auch noch nie benutzt, was dazu führt, dass manche Mütter meinen, ich schütze meine Jungs nicht gut genug vor den überall lauernden Keimen. Gespräche über Babys Verdauung habe ich lediglich mit dem Kinderarzt geführt. Meine Profilfotos habe ich nirgends durch Fotos meiner Kinder ersetzt. Wenn die Kacka aus der Windel quoll, empfand ich das als äußert unangenehm und gestillt habe ich auch nicht, was allerdings daran lag, dass ich nicht stillen konnte, weil ich ständig entzündete Brustwarzen hatte. Laut einigen Müttern, war aber der Grund für meine entzündeten Nippel meine innere Einstellung und somit war ich Schuld, dass meine Kinder keine, so wichtige Muttermilch in sich aufnehmen konnten.Gott habe ich Glück, dass sie trotzdem alle fit und gesund sind. Außerdem benutze ich auch nach wie vor Wörter wie scheiße oder Fuck und das ziemlich häufig. Zum Beispiel immer dann, wenn mir mal wieder etwas runter fällt und das passiert so ca gefühlte 50 Mal am Tag. Meine Kinder dürfen ab und an mit bei mir im Bett schlafen, obwohl das angeblich nicht förderlich ist. Warum das nicht förderlich ist, keine Ahnung. Manchmal schlafen die Kleinen so gar bei Oma und Opa und dann gehe ich aus, was auch wieder gar nicht geht, weil das bedeutet, dass ich meine Kinder aus egoistischen Gründen abschiebe.

Seit der Geburt meines ersten Kindes stehe ich ständig unter Beobachtung, vielleicht bin ich auch paranoid, aber zumindest fühlt es sich nach Beobachtung an und ich habe gemerkt, egal wie man es macht, man macht es verkehrt. Trage ich High Heels und habe mein Sohn an der Hand, wird gelästert, weil man als Mutter keine High Heels trägt. Schließlich muss man immer die Möglichkeit haben, den kleinen Rackern hinterher zu rennen. Trage ich Sneaker, lasse ich mich aber gehen. Der eine Rock ist Bitch-mäßig zu kurz, der andere Hippie-mäßig zu lang. Die eine Hose zu eng, die andere like a Flodder zu weit.  Trink ich Cola, bin ich unverantwortlich. Trinke ich feinen Bio Saft bin ich ne Öko Tusse.

Außerdem wurde mir erst kürzlich mitgeteilt, ich würde das Leben meiner Kinder falsch managen. Ich müsse mir vorstellen, dass die Familie die Firma ist und ich die Managerin. Aha! Ich habe aber nie BWL oder dergleichen studiert und ebensowenig habe ich von einem Job als Managerin geträumt. Mein Wunsch ist, dass meine Kinder freiheitlich denkende Menschen werden, die die richtigen Werte im Herzen tragen und ein bewusstes Leben führen. Bis jetzt sind sie auf dem besten Weg, obwohl andere Mütter meine Kinder gerne als kleine Rebellen bezeichnen, die nichts einfach mal hinnehmen können, die alles hinterfragen müssen und viel zu gerne diskutieren. Jawohl, ich habe also bis jetzt alles richtig gemacht.

Abschließend möchte ich aber noch erwähnen, dass ich auch ganz wundervolle Mütter kenne.

 

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10 Comments

  • Reply CHRISTINA KEY 13. Mai 2016 at 10:30

    Wie wunderbar! :“)
    Solche Mütter sind doch wirklich anstrengend auf Dauer. Aber es ist auch irgendwann mal schwierig immer freundlich zu bleiben! 😀

    XX,

    Photography & Fashion Blog

    http://www.ChristinaKey.com

    • Reply beccs@ruhrstyle 14. Mai 2016 at 15:59

      Ja, das stimmt! Manchmal möchte man insgeheim so manchen an die Gurgel gehen, aber letzten Endes kostet diese Vorgehensweise dann noch mehr Kraft. 🙂

  • Reply liebe was ist 12. Mai 2016 at 16:05

    hihi, der Titel deines Artikels ist schon ein ganz toller Teaser 🙂
    ich bin selber (noch) keine Mutter … aber ich kenne sie – meine eigene, meine Schwester, Freundinnen, Kollegen. und ich gebe dir auch aus meiner beruflichen Erfahrung absolut recht. ich habe es häufiger mit Müttern zu tun gehabt. das ist eben eine ganze spezielle „Sorte“ Frau oder sagen wir in ganz speziellen „Umständen“. ich kenne die anstrengenden, aber auch die entspannten.
    was man daraus macht ist wohl der Knackpunkt 😉

    Mütter entspannt euch, das Leben mit Kindern soll doch Spaß machen!
    ich glaube, dass du eine ganz entspannte Mom bist … mit dir kann man sicher auch Kaffee trinken gehen ohne dass man das Gefühl von geteilter Aufmerksamkeit bekommt 🙂
    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

    • Reply beccs@ruhrstyle 14. Mai 2016 at 16:03

      Oh ja, Kinder machen eine solche Freude und trotzdem sehe ich immer wieder Eltern die total gestresst und unausgeglichen sind. Nur machen sie sich diesen Stress selbst!
      In der regel bin ich wirklich sehr entspannt und ich denke, dass mit der Aufmerksamkeit beim Kaffeeplausch bekomme ich ganz gut hin.

      liebste Grüße
      Rebecca

  • Reply dorette 12. Mai 2016 at 11:46

    ach herrlich! ich bin zwar keine mutti, aber ich hab auch das gefühl, dass es eh frauen im allgemeinen betrifft und nicht nur muütter. besonders wenn es um themen wie klamotten, ernährung, sport und kosmetikkrams geht. es wird gelästert ohne ende und wenn man mal drei stückchen schoki mehr isst, in der kantine pommes statt salat nimmt oder die beine zu dick für den kurzen rock sind – da wir gelsätert und beäugt und mit ungewünschten ratschlägen um sich geworfen.
    aber ich kann mir schon vorstellen, dass es bei müttern noch alles viel schlimmer ist. ich freu mich schon drauf…
    ist das bei männern auch so? hm…

    😉 VG doro

    • Reply beccs@ruhrstyle 14. Mai 2016 at 16:10

      Das stimmt, Frauen beäugen sich schon gerne mal zu extrem und Lästern ist ein ganz schlimmes Hobby, welches aber so glaube ich, auch bei Männern verbreitet ist. Allerdings habe ich bemerkt, dass Väter doch viel entspannter sind und vieles einfach nehmen wie es kommt.Nun ja, ich kann mir vorstellen, dass Frauen aufgrund ihrer über Jahre zugeschriebenen Rolle auch mehr unter Druck stehen.

  • Reply Wiebke 11. Mai 2016 at 20:15

    Ich glaube, langsam entwickel ich hier eine Tradition ständig als Erste meinen Senf zu Deinen Gedanken zu geben 😉

    Liebe Rebecca,
    da dachte ich Weise, dass diese Übermuttis nur hier auf dem Dorf existieren, aber anscheinend ist dieses komische Verhalten wie ein umsichgreifender Virus.
    Da dachte ich ganz naiv, dass es im Leben einen Mutter reicht, sein Kind glücklich zu machen, jeden Tag lachen zu sehen und es mit Liebe und Intuition groß zu ziehen. Ich habe doch irrtümlich geglaubt, dass die wahren Werten im Leben sowas wie Nächstenliebe, Dankbarkeit und Selbstliebe sind. Da lag ich aber offensichtlich total falsch.
    Der Spielplatz hat mich gelehrt, dass eine bilinguale Erziehung, Musikunterricht, Sportvereine und No-Carb Ernährung soviel wichtiger sind. Ich befürchte, aus meinen Kindern werden leider nur zufriedene liebende Menschen ohne eine ruhmreiche Zukunft. Fuck!
    Wann bitte wurden PEKIP, Babyschwimmen, Erziehungsratgeber und Co zur idealistischen Religion und zu wem beten diese Terror-Besserwisser-Super-Mamis und wo? Ich würde da gerne mit Freude hingehen und während der Messe nach herzenslust fluchen, während sich meine beiden Süßen schlammbeschmiert mit Gummibärchen vollstopfen.
    Lass uns bitte weiterhin die Mamas bleiben, die wir sind, denn der beste Ratgeber zum Thema „Kind“ ist die Intuition, denn die wird vom Herzen gelenkt und nicht von der Wissenschaft.
    In diesem Sinne wünsche ich Dir einen schönen Abend und sende liebe Grüße
    Wiebke

    • Reply beccs@ruhrstyle 12. Mai 2016 at 7:56

      Ach Wiebke, machen wir doch eine Gegengruppe auf: „und sie nennen uns die Rabenmütter.“ 🙂

      • Reply Wiebke 12. Mai 2016 at 16:03

        Ich bin definitiv dafür und bekräftige das mit folgenden Worten:
        Kinder unser, die Ihr spielt im Park.
        Geheiligt werde Euer Leben,
        Eure Zukunft wird kommen
        Euer Wille geschehe, wenn wir es erlauben.
        Euren täglichen Zucker geben wir gerne
        Vergebt uns unsere Unvollkommenheit, wie auch wir vergeben Euren Trotzkopf
        und führet uns nicht in den Wahnsinn, sondern erlöst uns von der geistigen Beschränktheit der Gesellschaft.
        Denn Euch ist die Welt und ihre Zukunft
        in Freiheit und Unbeschwertheit.

        • Reply beccs@ruhrstyle 14. Mai 2016 at 16:04

          Wundervoll Wiebke und so wahr!

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